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Unternehmen retten durch Auffanggesellschaft

Die Auffanggesellschaft ermöglicht die zumindest teilweise Fortführung eines insolventen Unternehmens und stellt daher ein wichtiges Sanierungsinstrument dar.

Stichworte: Haftung | Insolvenz | Konkursantrag | Sanierungskonzept | Zwangsausgleich

Wann spricht man von einer Auffanggesellschaft?

Auffanggesellschaft ist kein rechtlich abgegrenzter Begriff. Häufig werden die Begriffe Auffanggesellschaft, Sanierungsgesellschaft oder auch Fortführungsgesellschaft synonym verwendet. Jedenfalls geht es um das Loslösen eines Unternehmens oder unternehmerischen Bestandteils von seinem bisherigen Rechtsträger mit dem Ziel der Fortführung. Der übernehmende Rechtsträger kann eigens dafür geschaffen werden oder bereits zuvor bestanden haben.

Wann macht eine Auffanggesellschaft zur Krisenbewältigung Sinn?

Die Fortführung eines Unternehmens oder eines Unternehmensteils macht nur dann Sinn, wenn

  • marktgängige, konkurrenzfähige Produkte oder Dienstleistungen vorhanden sind;
  • die wichtigsten Gläubiger (zumeist Banken und Lieferanten) von der Lebensfähigkeit dieses neuen Unternehmens überzeugt sind und daher mitziehen.

Es muss also eine fundierte Chance bestehen, dass das neue Unternehmen am Markt bestehen kann. In aller Regel werden daher nur jene Unternehmensteile in eine Auffanggesellschaft überführt, die zusammen genommen eine überlebensfähige Einheit darstellen. Zu den Assets eines Unternehmens zählen beispielsweise auch Kundenbeziehungen und Beschäftigte bzw. deren Kow-how. Diese Faktoren sollten bei einer (Teil-)Übernahme mit in Betracht gezogen werden.

Zwangsausgleich oder Auffanggesellschaft?

Eine Auffanggesellschaft kann die geeignete Lösung zur Unternehmensfortführung sein, wenn ein Zwangsausgleich nicht zustande kommt oder sinnvoll erscheint. An sich ist auch die Veräußerung des Unternehmens oder Unternehmensbestandteils vor der Insolvenz möglich. Diese Variante beinhaltet aber erhebliche Unsicherheiten, denn der Masseverwalter wird im Zuge der Insolvenz prüfen, ob der Kaufpreis angemessen war und unter Umständen drohen Anfechtungsklagen. Außerdem können wesentliche Erleichterungen für die Auffanggesellschaft nur dann in Anspruch genommen werden, wenn die Veräußerung im Rahmen eines bereits eröffneten Konkursverfahrens erfolgt.

Vorteile einer Auffanglösung im Konkursverfahren

Üblicherweise erfolgt die Unternehmensübertragung erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens um eine klare und rechtlich abgesicherte Abgrenzung zu den Haftungen und Verbindlichkeiten des ursprünglichen Rechtsträgers sicher zu stellen. Es gibt einige konkursrechtliche Hürden zu überwinden, denn ein Verkauf oder evtl. auch eine Verpachtung an eine Auffanggesellschaft bedarf der Zustimmung des Gläubigerausschusses und der Genehmigung durch das Konkursgericht.

Der wichtigste Vorteil ist, dass die Auffanggesellschaft für die Schulden des ursprünglichen Rechtsträgers (Gemeinschuldners im Konkursverfahren) nicht haften muss. Ausgenommen davon sind Haftungen für Betriebssteuern des Vorgängers, allerdings erstreckt sich die Haftung nur auf Abgaben, die seit Beginn des letzten Kalenderjahres vor der Übereignung angefallen sind und ist mit dem Wert der übertragenen Aktiva begrenzt.

Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass im Fall des Konkurses (nicht bei Ausgleich!) des ursprünglichen Rechtsträgers die sonst bei Betriebsübernahmen geltende Eintrittsautomatik in die bestehenden Arbeitsverträge nicht gilt. Wird dagegen der Betrieb oder Betriebsteil vor Eröffnung eines Konkursverfahrens gekauft oder gepachtet, gehen sämtliche Arbeitsverhältnisse mit allen Rechten und Pflichten auf die Auffanggesellschaft über.

In manchen Bereichen gehen jedoch bestehende Verträge auf die Auffanggesellschaft über. Das gilt beispielsweise bei Versicherungsverträgen, Werknutzungsverträgen und unter bestimmten Voraussetzungen auch beim Mietrecht. Bei Verträgen mit Lieferanten oder Kunden hingegen muss überprüft werden, ob diese weiter bestehen werden.

Wer beteiligt sich an der Auffanggesellschaft?

Auffanggesellschaften werden zumeist als GmbH gegründet um Haftungsrisiken abzufedern. Grundsätzlich können sich daran alle beteiligen, die ein Interesse an der Weiterführung des Unternehmens bzw. Unternehmensteils haben.

Auch der Gemeinschuldner (insolvente vormalige Rechtsträger) kann dies theoretisch, allerdings darf über den Gemeinschuldner bzw. über eine Gesellschaft, in der er als maßgebliche Person beteiligt war, kein Konkursverfahren mangels Vermögens abgewiesen worden sein (Erfassung in der Ediktedatei) und gleichzeitig in der Auffanggesellschaft eine maßgebliche Funktion ausüben. In der Praxis muss oftmals auch die Hürde überwunden werden, dass der vormalige ? und nun insolvente ? Eigentümer in das neue Unternehmen häufig nur seine Arbeitsleistung und kein Vermögen einbringen kann.

Die Bedeutung der Auffanggesellschaften im Vergleich zum Zwangsausgleich

Eine Untersuchung der Universität Linz für die Unternehmensinsolvenzen 2004 in Oberösterreich ergab, dass zwei Jahre später 21,3% der Unternehmen noch existierten. Für weitere 3,6% der Konkursunternehmen wurden Auffanggesellschaften gegründet, wodurch sich eine Gesamtfortführungsquote von 24,9% ergab. Auffanggesellschaften wurden vor allem von Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten zur Unternehmensfortführung genutzt. Die überwiegende Zahl der Unternehmensfortführungen wird in Form eines Zwangsausgleichs realisiert.

Fazit

Das Auffangen eines insolventen Betriebes ist eine wichtige Alternative zum mühsamen und teuren Aufbau einer neuen Firma mit völlig neuen Strukturen. Es ermöglicht eine strukturelle Neuausrichtung, die Sicherung von Vermögenssubstanz und Arbeitsplätzen. Die Gläubiger werden einer solchen Lösung nur zustimmen, wenn für sie damit eine bessere Quote verbunden ist als im Falle einer Liquidation.

Wichtiger Hinweis!

Die Realisierung einer Auffanggesellschaft ist ein durchaus komplexes Vorhaben und falsche oder nicht durchdachte Schritte können nicht nur das Vorhaben zu Fall bringen, sondern auch zu strafrechtlich relevanten Sachverhalten (Krida) führen! Als Beispiel sei der Erfahrungsbericht ?In den Konkurs expandiert? empfohlen. Daher:

Dieser Artikel ersetzt keinesfalls eine qualifizierte Rechtsberatung!

Online seit: 05.05.2009

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