Leben mit der Krise
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Gründen aus der Arbeitslosigkeit

Unternehmensgründungen durch Arbeitslose werden häufig kritisch diskutiert, ihre Erfolgschancen als gering eingestuft. Sind also Arbeitslose die schlechteren Gründer?

Stichworte: Arbeitslosigkeit | Unternehmensgründung

Motivation: Halb zog sie ihn, halb sank er hin?

? heisst es in Goethes Ballade vom Fischer. Das beschreibt wohl auch sehr gut, wie viele Arbeitsuchende den Schritt in die Selbständigkeit setzen. Entschlossenheit und aktives Handeln sind jedoch Kennzeichen erfolgreicher Selbständigkeit.

Manchen erscheint der Verlust des Arbeitsplatzes als der richtige Zeitpunkt, ihrem Berufsleben eine neue Richtung zu geben. Andere sehen in der Selbständigkeit einen letzten Ausweg, manchmal auch einen sauren Apfel, in den sie mangels anderer Alternativen beißen müssen. Gründer/innen, die sich als Opfer des Arbeitsmarktes in die Selbständigkeit gedrängt fühlen und eine eher passive Haltung einnehmen, stehen sich damit selbst im Weg.

Qualifikation und Branchenkonzentration

In Phasen steigender Arbeitslosigkeit sind überproportional viele Menschen von Arbeitsplatzverlusten betroffen, die kürzere Ausbildungszeiten absolviert haben und auch solche, die im Laufe ihres Berufslebens eher wenig Weiterbildung erfahren haben. Sie verfügen über sogenannte Jedermann-Qualifikationen, also über keine besonderen Kenntnisse oder Spezialwissen. Häufig führt die wirtschaftliche Entwicklung auch dazu, dass besonders viele Beschäftigte in bestimmten Branchen oder Segmenten ihren Job verlieren.

Damit versuchen sich viele Menschen in der Selbständigkeit, die über sehr ähnliche Qualifikationsprofile verfügen und sich nur schwer gegenüber ihren Mitbewerben profilieren können. Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen wird in solchen Branchen dann zumeist über den Preis ausgetragen, was Preisdumping und geringe Einkommen für die Selbständigen zur Folge hat.

Unternehmerische Qualifikationen

Auch die Führung eines Ein-Personen-Unternehmens (EPU) braucht ein breites Bündel an Qualifikationen. Zu den fachlichen Qualifikationen kommen kaufmännische Qualifikationen. Häufig wird darunter nur das Wissen um das Führen einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung verstanden. Kaufmännische Qualifikationen gehen jedoch viel weiter. Dazu gehören beispielsweise richtiges Kalkulieren, das Wissen um strategische Entscheidungen, Marketing, Verhandlungstechniken etc.

Aus der vormaligen Beschäftigung in einem Unternehmen sind häufig Erfahrungen aus dem einen oder anderen Teilbereich vorhanden, beispielsweise durch Tätigkeiten im Verkauf, in der Administration, in der Personalplanung oder Produktion etc. Diese Erfahrungen können hilfreich sein, repräsentieren jedoch nur einen schmalen Ausschnitt jener Aufgaben, die eine Unternehmensführung ausmachen.

Viele gründungsinteressierte Arbeitslose stehen also vor zweierlei Herausforderungen:

  • Trotz unspezifischer Qualifikationen Produkte bzw. Dienstleistungen zu entwickeln, die eine erfolgversprechende Positionierung im Wettbewerb mit anderen Unternehmen ermöglichen.
  • Die Ergänzung ihres Know-how um jene (zumeist kaufmännischen) Kenntnisse, die für einen erfolgreichen Aufbau eines Unternehmens bzw. für eine erfolgreiche Unternehmensführung erforderlich sind.

Startkapital

Eine Unternehmensgründung verursacht immer Kosten, die kostenlose Unternehmensgründung ist eine Fiktion. Sie kostet nicht nur persönliche Energie und Zeit, sie kostet immer auch Geld. Selbst wenn wenige Investitionen nötig sind, so ist die Startzeit in aller Regel mit (sehr) geringen Einnahmen bei gleichzeitig laufenden Kosten verbunden. Die wenigsten Neugründungen schaffen auf Anhieb die richtige Positionierung und so muss auch noch mit einigem Lehrgeld gerechnet werden.

Fällt der Entschluss zur Unternehmensgründung erst nach einer längeren Phase der Jobsuche, sind Reserven häufig bereits aufgebraucht und der finanzielle Druck ist oft schon sehr hoch. Für die einkommensschwache ? oder auch verlustbringende ? Anlaufzeit und für die ersten Fehlschläge fehlt dann der nötige finanzielle Polster. Damit finden viele Gründungen ihr vorzeitiges Ende bevor sie überhaupt die Chance hatten, richtig in Schwung zu kommen.

? und ward nicht mehr gesehn.

So endet die Ballade vom Fischer. Arbeitslose, die sich zu einer Unternehmensgründung entschließen, müssen nicht zwangsläufig in den Fluten der Insolvenzstatistik untergehen. Die Evaluierung des Unternehmensgründungsprogrammes des AMS Österreich zeigt, dass diese Gründungen genauso gute Bestandschancen haben, wie andere Gründungen. Mit der Teilnahme an diesem Programm gibt es Unterstützung auf zwei wesentlichen Ebenen: Es bietet eine finanzielle Atempause und die Möglichkeit zur einschlägigen Weiterbildung.

Sehr schwierig wird es für Gründer und Gründerinnen, die diese Form der Unterstützung nicht haben und die

  • sich in die Selbständigkeit gedrängt fühlen und in der Opferrolle verharren;
  • über geringe und/ oder einseitige Berufserfahrung verfügen und wenig Interesse an Weiterbildung haben;
  • und aus einer finanziell bereits sehr angespannten Situation heraus gründen.

Dies trifft nicht auf alle Arbeitslose zu, die sich mit dem Gedanken an eine Unternehmensgründung tragen. Die wenigsten Gründer/innen (egal ob arbeitslos oder nicht) verfügen über die idealen Voraussetzungen und viele können sich trotzdem auf dem Markt behaupten. Kreativität, Lernbereitschaft und persönlicher Einsatz können geringes Startkapital zumindest teilweise ausgleichen. Grüßt jedoch schon täglich der Exekutor, dann wird eine Unternehmensgründung kaum die Rettung bringen ? gleichgültig ob arbeitslos oder nicht.

Online seit: 22.02.2010

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