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Der Griff in die Kassa

rahmen
Ein aufwändiger Lebensstil will finanziert sein und das kostet. Das geht solange gut, bis eine neue Filialleiterin in der Bank Einzug hält.
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Wir haben uns das Geld überhaupt nicht eingeteilt, den Lebensstandard so weiterbetrieben. Und heute denk ich mir: viel dümmer geht es ja nicht mehr. Aber wenn einmal kein Geld da war, dann hab ich in die Umsatzkassa gegriffen und mir eines rausgenommen. Später legen wir es ja eh wieder zurück. Nehmen wir halt die 5.000, eh wurscht. Mein Mann hat damals 30.000 Schilling verdient, er hätte uns locker alleine erhalten können. Es ist einfach so bei einer Firmengründung, dass man das erste Jahr nicht vom Geschäft leben kann. Im Gegenteil, meist muss man da ja noch reininvestieren. Drei Jahre später war mein Schuldenstand dann schon stolze 1,2 Millionen Schilling.

Ich hab in der Zwischenzeit noch Kleinkredite aufgenommen, ohnehin nur mehr, um Löcher zu stopfen. Und irgendwann war es dann soweit: die Bank sagte nein. Da kam eine neue Filialleiterin, die wollte dann sehr wohl die Bilanz sehen. Mit dem Resultat: so geht es nicht weiter. Die Kredite wurden sofort fällig gestellt und eingeklagt. Ich glaube, dass mir erst da wirklich gedämmert ist, wo ich mich eigentlich schon befinde. Man spürt ja selbst ganz genau, dass es nimmermehr geht, aber man wacht jeden Tag auf und denkt sich, heute wird es anders. Heute ist der große Tag, heute wird der Karren herumgerissen. Man versucht dann alles, man nimmt alles, was einem noch zu Geld verhilft. Egal wie unrealistisch es ist. Man greift nach jeder Chance auf Geld, weil man immer der Meinung ist, ab morgen ist es anders.

Ich war damals zu stolz, die Blöße einzugestehen, es nicht geschafft zu haben. Aber den gesunden Schnitt hätte es bei mir sicher auch gegeben. Wo ich sagen hätte müssen, ok, das funktioniert so einfach nicht. Ok, der Schaden ist entstanden, aber ich mach auf dem Absatz kehrt und fang noch einmal von Neuem an. Anderes Geschäftslokal, eigenes Konzept durchziehen, nicht in der Abhängigkeit von Freunden, dann hätt es funktionieren können. Denn von den Umsätzen her hätt es gepasst, die Kosten waren einfach zu hoch.

Lesen Sie auch:

Artikelanfang: Das Angebot einer guten Freundin
Teil 1: Mit wehenden Fahnen gekündigt
Teil 2: Der Griff in die Kassa
Teil 3: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise
Teil 4: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.
Teil 5: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung
Teil 6: Wieder gehen gelernt
 
Dieser Beitrag ist seit 29.07.2003 online und wurde 3.319x gelesen

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