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Das Traumlokal wird zum Alptraum

rahmen
Eigentlich hätte es ja eine eigene kleine Bäckerei werden sollen. Dann entschloss sich Robert für die Gastronomie und wurde Wirt - für zehn Monate.
rahmen

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Branchen: Gastronomie | Betriebsübernahme | Privatkonkurs | Zahlungsplan | Burn out | Erfahrungsberichte

Eigentlich bin ich gelernter Bäcker, ich habe Ende der 80er Jahre meine Lehre abgeschlossen und anschließend auch noch die Meisterprüfung gemacht. Mein Chef hatte sehr viel Vertrauen in mich und ich habe einen Filialbetrieb praktisch eigenständig geführt.

Dann sind Mitte der 90er Jahre einige Dinge gleichzeitig passiert. Die Filiale wurde wegen Sparmaßnahmen geschlossen und ich musste in die Zentrale wechseln. Viel schlimmer war, dass ziemlich zeitgleich meine Ehe für mich völlig überraschend zu Ende war. Nach nicht einmal zwei Jahren von einem Tag auf den anderen. Ich bin damals in ein sehr tiefes schwarzes Loch gestürzt, aus dem ich nur schwer wieder herausgekommen bin. Aber ich hab mir gedacht, ich hab zwei gesunde Füße und Hände und einen Verstand, es kann nur aufwärts gehen. Nach zwei Jahren war ich einigermaßen über den Damm und hab begonnen, mich stärker mit dem Gedanken an die Selbständigkeit zu beschäftigen.

Selbständig wollte ich schon immer werden. Eine Bäckerei wäre natürlich das Nächstliegende gewesen. Ich war 15 Jahre lang in der Bäckerei tätig und es war reine Nachtarbeit. Ich hab gewusst, da bist eigentlich Mensch zweiter Klasse. Man verdient zwar gut als Angestellter, aber als Selbständiger musst du in der Bäckerei noch besser sein, noch früher aufstehen und da hast fast keine Chance mehr. Um gute Qualität zu erzeugen muss man sehr viel investieren, alleine ein guter Backofen ist sehr teuer.

Da hab ich mir gedacht, ich mach in Richtung Gastronomie, hab auch die Konzessionsprüfung gemacht und mit der Suche nach einem geeigneten Lokal begonnen. Ich muss dazusagen, ich lebe in einer Kleinstadt in den Alpen. Da kennt man die meisten Leute von Kindheit an, man weiß übereinander Bescheid. Gute zwei Jahre nach meiner Scheidung war es soweit, in meiner Heimatstadt habe ich dann auch das Lokal gefunden. Es war das Lokal, von dem ich schon immer gesagt habe, so etwas will ich. Ca. 40 Sitzplätze, übersichtlich, gut gelegen.

Weiter zu:

Teil 1: Es ist alles zu glatt gegangen
Teil 2: Der Start: ein gut besuchtes Lokal
Teil 3: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende
Teil 4: Der Kampf um den Zahlungsplan
Teil 5: Den Frust und die Schulden abgebaut
Teil 6: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit
 
Dieser Beitrag ist seit 04.11.2004 online und wurde 13.103x gelesen

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