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Das Angebot einer guten Freundin

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Ein eigenes Geschäft, damit ging ein Wunschtraum von Helene in Erfüllung. Der Traum wurde bald zum Alptraum und ließ die Schuldenspirale explodieren, in der sich Helene ohnehin ber

Ich hatte die Modeschule abgeschlossen, schönes Zeugnis, ich war damals sehr stolz auf alles. Ich hab mit 20 meine große Liebe geheiratet, aus heutiger Perspektive viel zu früh, viel zu unreif. Ich hab zuerst in einem exklusiven Geschäft im Textileinzelhandel gearbeitet, dann im Großhandel, hab sehr gut verdient für mein Alter.

Dann kam das Angebot einer guten Freundin, mich mit einer Boutique in ihrem Geschäft einzukaufen. Das war für mich ein tolles Angebot. Ein eigenes Geschäft war immer für mich ein Wunschtraum, da kann ich meine eigenen Ideen einfließen lassen etc. Und Status, das war mir auch wichtig damals.

Heute sag ich: wenn man ein Geschäft macht, macht man es alleine und nicht zu zweit. Weil ich hab mich dort ums teure Geld eingekauft, und hab mich aber dann nach einem System richten müssen, das erst recht wieder nicht meines war. Das war ein Geschäftslokal, da konnte man sich einkaufen, das war in mehrere Bereiche geteilt, da ist dann Miete bezahlt worden und die Kosten sind untereinander aufgeteilt worden. Der Kunde hat alles angeboten bekommen.

Der Steuerberater hatte mich auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Vertrag nur auf meine Kosten geht. Aber es ist ja eine gute Freundin ist, die tut das alles nicht so! Ich hab mich also drauf eingelassen. Hätte ich mehr auf das finanzielle geachtet, hätte ich mir sehr viel ersparen können. So hat der Umsatz nie so hoch sein können, dass der Gewinn die Kosten gedeckt hätte, das wär sich nie ausgegangen.

Mit wehenden Fahnen gekündigt

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Obwohl Helene bereits für Kredite ihres Mannes bürgt, bekommt Sie von der Bank Geld.

Ich hab bei meiner Firma mit wehenden Fahnen gekündigt - weil ich mach mich ja selbständig. Ich bin auf die Bank gegangen und hab gesagt ich brauch noch einmal 250.000 Schilling. Die Sache war damals so: Mein Exmann hatte die Ansicht, wenn ich etwas haben will, dann nehm ich mir dafür einen Kredit auf, also darauf sparen ist für ihn nicht in Frage gekommen. Und ich hab natürlich schön brav mit unterschrieben. Aber in Zeiten von "Anna, den Kredit hamma" ging das relativ leicht und schnell.

Also damals, Anfang 90, war ich vielleicht 25 Jahre alt und hab schon für Kredite von über 400.000 Schilling gebürgt. Trotzdem hab ich das Geld anstandslos bekommen. Heute sag ich, die Bank hätt schon damals nicht zustimmen dürfen. Der Steuerberater ist mir schon die ganze Zeit in den Ohren gelegen, dass sich das Alles nicht ausgeht, aber ich hab alle Warnungen in den Wind geschlagen. Und am Anfang war ich ja auch noch steuerlich begünstigt, das ist ja dann alles erst später zum tragen gekommen. Ich bin da sehr unvorbereitet reingegangen.

Gerade bei der ersten Unternehmensgründung macht es einen Unterschied, ob man als Angestellte in sowas reingeht, oder ob man aus einer Unternehmerfamilie kommt. Da lernt man schon von den Kinderschuhen an, was es heisst, mit Selbständigkeit zu leben. Das Auf und Ab, einmal sehr viel Geld, weil die Umsätze stimmen, dann aber wieder sehr viele Rechnungen auf einmal. Vor allem, dass das Geld nicht mir gehört sondern es gehört der Firma, das geht mich eigentlich überhaupt nichts an. Und dass ich das Geschäft dementsprechend pflegen muss, und auch rechtzeitig erkennen muss, wo ist der Hund drinnen, was muss ich tun? Eine Freundin von mir, die ist so groß geworden, die hat da eine ganz andere Einstellung dazu.

Aber wenn ich aus der Angestelltenperspektive rauskomm und nicht die Bereitschaft einbringe, mich selbst zu reduzieren, dann kann man ganz sicher nicht erkennen, wo jetzt der gesunde Schnitt nötig ist. Weil das ist doch der Traum, den man hat und den will man unbedingt weiterhaben. Man kann dann nicht loslassen, aber dadurch wird es auch nicht möglich, eine neue Perspektive zu entwickeln.

Der Griff in die Kassa

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Ein aufwändiger Lebensstil will finanziert sein und das kostet. Das geht solange gut, bis eine neue Filialleiterin in der Bank Einzug hält.

Wir haben uns das Geld überhaupt nicht eingeteilt, den Lebensstandard so weiterbetrieben. Und heute denk ich mir: viel dümmer geht es ja nicht mehr. Aber wenn einmal kein Geld da war, dann hab ich in die Umsatzkassa gegriffen und mir eines rausgenommen. Später legen wir es ja eh wieder zurück. Nehmen wir halt die 5.000, eh wurscht. Mein Mann hat damals 30.000 Schilling verdient, er hätte uns locker alleine erhalten können. Es ist einfach so bei einer Firmengründung, dass man das erste Jahr nicht vom Geschäft leben kann. Im Gegenteil, meist muss man da ja noch reininvestieren. Drei Jahre später war mein Schuldenstand dann schon stolze 1,2 Millionen Schilling.

Ich hab in der Zwischenzeit noch Kleinkredite aufgenommen, ohnehin nur mehr, um Löcher zu stopfen. Und irgendwann war es dann soweit: die Bank sagte nein. Da kam eine neue Filialleiterin, die wollte dann sehr wohl die Bilanz sehen. Mit dem Resultat: so geht es nicht weiter. Die Kredite wurden sofort fällig gestellt und eingeklagt. Ich glaube, dass mir erst da wirklich gedämmert ist, wo ich mich eigentlich schon befinde. Man spürt ja selbst ganz genau, dass es nimmermehr geht, aber man wacht jeden Tag auf und denkt sich, heute wird es anders. Heute ist der große Tag, heute wird der Karren herumgerissen. Man versucht dann alles, man nimmt alles, was einem noch zu Geld verhilft. Egal wie unrealistisch es ist. Man greift nach jeder Chance auf Geld, weil man immer der Meinung ist, ab morgen ist es anders.

Ich war damals zu stolz, die Blöße einzugestehen, es nicht geschafft zu haben. Aber den gesunden Schnitt hätte es bei mir sicher auch gegeben. Wo ich sagen hätte müssen, ok, das funktioniert so einfach nicht. Ok, der Schaden ist entstanden, aber ich mach auf dem Absatz kehrt und fang noch einmal von Neuem an. Anderes Geschäftslokal, eigenes Konzept durchziehen, nicht in der Abhängigkeit von Freunden, dann hätt es funktionieren können. Denn von den Umsätzen her hätt es gepasst, die Kosten waren einfach zu hoch.

Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

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Inzwischen geben sich die Exekutoren die Klinke in die Hand. Die Stimmung in der Familie ist am Nullpunkt und die Freunde werden immer weniger.

Und dann meine Schwäche, meiner Familie nichts abschlagen zu können und über die Verhältnisse zu leben. Ich hab es tatsächlich nicht auf die Reihe gebracht, uns einzubremsen zum richtigen Zeitpunkt. Dann hat es natürlich auch dementsprechend private Probleme gegeben. Mein Mann hat die klassische Vogel-Strauss-Politik betrieben, er wollte von den finanziellen Problemen nichts wissen. Er war ja der Meinung, dass ohnehin ich an allem Schuld sei. Nur da hab ich dann langsam ein Problem bekommen, weil die Bank hat ja auch seine Kredite fällig gestellt, für die ich gebürgt hatte. Diese Familie war ja bankrott. Und es war ja nicht nur so, dass nur ich gebürgt hätte, sondern auch meine Mutter hat gebürgt. Die zahlt auch bis heute zurück.

Unsere Ehe war ohnehin nicht ideal, aber das hat noch eine Eigendynamik bekommen. Ich glaube ja, dass finanzielle Probleme immer die Beziehung belasten. Und wenn es dann eine eigene Dynamik bekommt, Schulden fällig gestellt werden, der Exekutor in der früh ein und aus geht, dann geht das auch an den Kindern nicht spurlos vorüber. Es war dann auch Gewalt in der Familie ein Thema. Es hat so viele Probleme gegeben, es ist fast nicht auszuhalten, wenn du von allen Seiten gleichzeitig permanent angegriffen wirst. Ich glaub ich hab überhaupt keine Perspektive gehabt, mich finanziell wieder zu orientieren.

Und dann kommt ja der Moment, es ist im Freundeskreis zu beobachten. Man kann nicht mehr so mit, man hat das Geld nicht mehr dazu. Auf einmal ist keiner mehr da. Plötzlich haben sie am Samstag abend keine Zeit mehr, zum Essen zu kommen. Und zählt man dann seine Freunde an einer Hand stellt man fest, da sind noch immer zu viele Finger drauf. Das ist sehr schmerzlich, das ist dann echte Seelenarbeit.

Ohne mich ausreden zu wollen, aber ich denke schon, ich hätte damals einen Partner gebraucht, der schon beizeiten gesagt hätte: "liebe Frau, machen wir einen sauberen Strich unter die Sache." Ich hätt mich zwar mächtig aufgeregt darüber, aber ich glaub, ich hätte es akzeptiert. Ich möchte vermeiden zu sagen, die Bank ist schuld, der Exmann ist schuld, die Freundin ist schuld. Ich hab Jahre gebraucht dazu, dass ich mich vor den Spiegel stellen und sagen konnte: selber schuld. Irgendwann einmal muss man sich hinstellen und zu seiner Person Bezug nehmen. Das kann man aber in dieser Situation nicht.

Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

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Das Geschäft wird aufgegeben, die Trennung von der ehemals guten Freundin erfolgt in Unfrieden. Und die Schulden bei der Bank werden nicht weniger.

Mit meiner Freundin über bessere Konditionen zu reden, da war ich mir zu gut dafür. Aber dann hab ich bei ihr auch schon Schulden gehabt und sie hat angefangen mich zu erpressen. Entweder ich bezahle oder sie nimmt sich die Ware und ich verlass das Geschäft. Ich hab es damals als Erpressung empfunden. Andererseits, wenn einmal jemand sechs Monate die Miete nicht bezahlt, ist das die Konsequenz.

Nach ungefähr zweieinhalb Jahren war Schluss. Ich hab mich zum Gehen entschlossen und hab mir da auch Unterstützung von einer Anwaltskanzlei genommen, damit das alles rechtens vor sich geht. Sie hat wahrscheinlich nicht geglaubt, dass ich es wirklich tu. Es wurde nämlich schriftlich ein Übergabetermin vereinbart und sie ist gar nicht gekommen. Ich hab auch noch versucht, die teure Kundenstockablöse einzuklagen, aber aufgrund des Vertrags ist das nicht gegangen.

Auch davor hatte mich der Steuerberater von Anfang an gewarnt, aber ich hab voll auf dieses freundschaftliche vertraut. Heute denke ich, gerade eine gute Freundschaft sollte es vertragen dass man sagt, nehmen wir uns einen Zettel und schreiben wir drauf, was ist, wenn das Ganze in die Hose geht. Ich glaube, dass es sehr viel Ordnung schaffen würde und von Vertrauen zeugen würde, wenn man es genauso tut. Weil dann kann man sagen, ok, wir finden einen Weg auseinander, der auch noch seine Ordnung hat. Viele Leute würden sich sehr viel Kummer und Ärger ersparen.

Man hat in dieser Situation keine Objektivität mehr, alle sind gemein und niemand versteht mich. Die Freundin sowieso, die Banken sind ein Witz, die Arbeitslosen sind der Witz weil die hackeln gar nichts, jedem geht es besser und hat es leichter. Man würd auch Geld woher auch immer nehmen, weil man ja das Ziel hat, das wieder gerade zu rücken. Niemand strengt sich so fürchterlich an wie man selbst im Moment. Und es ist auch so, man hat den dreifachen Stress, man tut auch dreimal soviel wie die Anderen. Nur das Resultat ist gleich Null und das frustet dann nur wieder. Man hat für die ganze Anstrengung nur das Negativerlebnis, dass dabei wieder nichts rausgekommen ist. Und es nutzt auch alles nichts, wenn man sich nicht hinsetzt, ein Blatt Papier nimmt und sich aufschreibt: das alles passt nicht, was kann ich anders machen und sich aus dem Brocken einmal einen Teil herausnimmt und mit dem anfängt. Weil den ganzen Brocken schaff ich nicht auf einmal, aber dann bekommt man das erste positive Erlebnis.

Als Hauptgläubiger ist die Bank geblieben. Im ersten Jahr sind 10.000 Schilling im Monat von unserem gemeinsamen Konto abgebucht worden. Aber bei der Jahresabrechnung waren dann trotzdem mehr Schulden drauf als zuvor, weil die Zinsen schon so ein hohes Ausmaß erreicht hatten. Erst dann bin ich zur Bank gegangen und hab gesagt, entweder keine Zinsen mehr und nur mehr Kapital zurück, oder ich melde Konkurs an. Heute glaube ich, dass das sehr schlecht verhandelt war. Heute denke ich, dass ich einen außergerichtlichen Ausgleich erreichen hätte können. Aber es ist auf 5.000 Schilling im Monat reduziert worden. Jedenfalls, bei den Zinsen kann man immer verhandeln, die haben ja eh schon gut an mir verdient und so kriegen sie wenigstens ihr Kapital noch zurück.

Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

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Helene geht zu einem Bewerbungsgespräch nach dem anderen und muss schließlich die Branche wechseln. Noch am Höhepunkt der Krise wird sie schwanger.

Dann war das Geschäft flöten, ich hab Arbeit gesucht, dazwischen sind die Exekutor ein und ausgegangen. Ich tät heute niemandem raten auf die Idee zu kommen, eine Boutique zu eröffnen, ausser er will sich selbst ruinieren. Und dann ist ja das Problem, du kriegst in der Branche ja keinen Job, in dem du ein anständiges Geld verdienst. Da verdienst du nicht mehr als die monatliche Kreditrate.

Ich hab alles versucht, um zu Geld zu kommen. Und das war dann frustrierend, weil dann nimmt dich ja niemand. Du kriegst auch nicht in den Kopf rein, dass du irgendwas falsch gemacht hast. Andererseits es muss ja so sein, sonst hättest ja Erfolg gehabt. Und dann verstehst du nicht, dass dich niemand nehmen will, wo du doch das große know-how einbringst. Irgendwann dämmert dir das, so nach der 20. Firma. Dann war ich soweit, dass ich mich schon irgendwo als Lagerleiterin beworben habe, obwohl ich überhaupt keine Ahnung davon hatte. Dann gehst dich branchenfremd vorstellen, sinnlos.

Die große Gefahr ist dann auf die Dinge hereinzufallen, die in den Zeitungen stehen, so mit "freiberuflich, selbständig", angefangen bei Kosmetik bis ich weiss nicht was alles. Da gehst zu den Informationsabenden und dann sollst bei deinen letzten Freunden, die du noch hast, Produkte verkaufen. Schließlich bin ich bei einer Versicherung im Außendienst gelandet.

Ich bin dann schwanger geworden, meine Tochter wurde 95 geboren und die Kreditraten waren höher wie mein Karenzgeld. Es war hinten und vorne überhaupt kein Geld da, ein großes und ein kleines Kind zu versorgen, also das wünsche ich dann niemandem. Ohne meine Mutter wär es überhaupt nicht gegangen, mindestens zwei Jahre ist sie einmal im Monat mit mir zu einem Großeinkauf gegangen, sonst wär der Kühlschrank leer gewesen. Also nachdem das Geschäft schon vorbei war, ging es noch so fünf Jahre.

Das war ein dahinvegetieren ein finanzielles wo also sämtliche Gläubiger über uns hergefallen sind, aber auch aus Blödheit. Nicht die Handlung setzen. Nach der Karenz bin ich wieder in den Aussendienst, das war dann so richtig Türklinken putzen, da lernst wirklich was. Die familiären Probleme sind natürlich nicht weniger geworden, wir haben nur mehr gestritten, egal wo wir waren und auch die Gewalt in der Familie ist immer schlimmer geworden. Eines Tages hab ich gewusst, dass mein Leben so nicht weiter gehen kann und hab mich von meinem Mann scheiden lassen, das war 2000.

Ich hab mich dann beraten lassen, hab alles aufgeschrieben, was mir wichtig war und hab das gemacht, was ich beim Geschäft nicht konnte: dass ich konkret ein Konzept habe und das auch mache. Finanziell bin ich denkbar schlecht ausgestiegen, ich hab alles übernommen, wo mein Name drauf stand. Letztlich bin ich wieder im Versicherungsbereich gelandet. Ich hätt schon gerne was anderes gemacht, aber die Auswahl ist für mich nicht mehr groß und wir können davon leben. Ich hab eine Verantwortung für die Kinder, also nehm ich das jetzt als Mittel zum Zweck und jetzt bin ich wenigstens wieder angestellt. Vielleicht kann ich einmal wechseln oder vielleicht mach ich noch einmal eine Ausbildung. Aber jetzt bau ich das Fundament.

Wieder gehen gelernt

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Nach der Scheidung beginnt Helene ihr Leben und ihre finanzielle Situation neu zu ordnen. Ein kleiner Schritt nach dem anderen ist ihr Erfolgsrezept.

Nach der Scheidung war ich endlich in der Lage, meine finanzielle Situation zu ordnen. Heute hab ich schriftlich einen finanziellen Fahrplan für das ganze Jahr. Ich weiss, welche Erlagscheine wann kommen, Schulbeginn und Frühling, da brauch ich mehr Geld für die Kinder. Da seh ich schon ganz genau, wann geht es sich aus und in welchen Monaten wird es eng, wann muss ich also was unternehmen. Heute hab ich das Bedürfnis, die Dinge zu richten. Jetzt mach ich das, was vielen zuwider ist und was ich damals bei meinem Geschäft nicht konnte.

Irgendwann ist ein Erlagschein bezahlt und den leg ich mir irgendwo hin zum Anschauen und dann ist der nächste dran. Sobald man das erste Mal eine Handlung gesetzt hat, hat man eine Last weniger und ein Erfolgserlebnis mehr. Mit den kleinen Portion geht es und dann kriegst langsam eine feste Linie. Dass man sich zum Beispiel mit der Bank geeinigt hat, das ist ein Papier und das zieht sich noch lange, das ist nicht wirklich ein Erfolgserlebnis.

Ich komm mit dem Geld viel besser aus, obwohl ich heute viel weniger verdiene als vor meiner Selbständigkeit. Ich kann nur das Geld ausgeben, das ich am Monat am Konto habe. Und man kann, wenn man einmal nicht zahlen kann, die Gläubiger anrufen und vor allem rechtzeitig anrufen und sagen, bitte das geht sich das Monat nicht aus, ich zahl es auf zweimal. Früher hätt ich die Rechnung liegen gelassen und mir gedacht, in zwei Wochen werd ich eh zahlen können. Und plötzlich zahlt man mehr Zinsen als Kapital zurück. Und wenn mir heute einmal was übrigbleibt, dann denk ich lange drüber nach, was mach ich am besten damit, wie hab ich am meisten davon.

Jetzt konnt ich es mir richten wie ich will, aber das war wie wieder Gehen lernen. Das war ein fürchterlicher Lernprozess, aber mit Unterstützung meiner Mutter und vom Freundeskreis her ist es gegangen. Ich habe heute wieder einen Freundeskreis und langsam bekomme ich auch den Kopf wieder frei für andere Dinge im Leben. Wenn du dich jahrelang nur mit Schulden beschäftigst, bekommst nämlich den geistigen Radius einer Wurstsemmel.

Heute tut es mir nur leid darum, dass ich so lange dafür gebraucht habe. Das ganze Adrenalin das du verschwitzt, weil du dich die ganze Zeit fürchtest, das sind Jahre verlorener Energie. Ich hab eigentlich einen sehr guten Schlaf. Aber bis heute hebt es mich aus dem Bett, wenn ich um sechs Uhr in der Früh laute Geräusche im Haus höre. Das braucht seine Zeit, bis man das wieder los wird, aber jetzt seh ich Licht am Ende des Tunnels.

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