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Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen...

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Johann übernimmt 1996 einen Installateurbetrieb. Bald darauf zeigen sich erste gesundheitliche Probleme.

Begonnen hat es damit, dass ich mich nach 15 Jahren in der selben Firma verändern wollte. Ich war 40 und hatte das Gefühl, dass ich in irgendeiner Form anstehe, ich komm da nicht mehr weiter. Es war eine große Firma, ich hatte mir die Stellvertretung einer Abteilungsleitung erarbeitet und schon den Gewerbeschein gelöst. Also hab ich nach einer Möglichkeit gesucht, ob ich woanders einsteigen kann, das war 95.

Ein alteingesessener Installationsbetrieb in einer Kleinstadt wurde mir zur Übernahme angeboten. Allerdings hatte er das Manko, dass er ziemlich runtergewirtschaftet war. Der Eigentümer hatte kein wirkliches Interesse mehr an dem Betrieb und er war auch schon lange nicht mehr modernisiert worden. Neben der Gas-, Wasser- und Heizungsinstallation gab es einen Lüftungsbereich, der aber abgetrennt und separat vergeben wurde. Den habe ich damals nicht übernommen.

Im Frühjahr 96 hab ich den Gas-, Wasser- und Heizungsbereich unter meinem eigenen Firmennamen eröffnet. Zwei Mitarbeiter und eine Halbtagssekretärin hatte ich aus der alten Firma übernommen und meine Frau arbeitete auch in der Firma mit. Was sich noch rächen sollte war, dass ich kein Eigenkapital hatte. War alles fremdfinanziert, ich hatte meine ganzen Vermögenswerte dafür eingesetzt, also Grund und Boden und Wertpapiere.

Und dann ist es Schlag auf Schlag gegangen. 3 Monate nach der Eröffnung hatte ich ein offenes Magengeschwür. Ich hab die Jahre davor schon immer so leichte Gastritis gehabt, das war immer so ein Auf und Ab. Schon in meiner Jugend ist mir immer alles auf den Magen geschlagen. Ich war schon immer in ärztlicher Behandlung damit, aber man hat nicht erkannt, dass das so rasch ausbrechen würde.

Da beiss ich mich durch...

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...sagte sich Johann. Aber dann wurde ein lebensbedrohlicher Tumor entdeckt. Während er gerettet wurde, siechte die Firma bereits dahin.

Wieder aufhören war für mich damals noch kein Thema. Das war etwas von dem ich überzeugt war, dass ich damit fertig werde. Das war ja mit Medikamenten in den Griff zu bekommen und nach ein oder zwei Wochen konnte ich wieder arbeiten.

Auf das Geschäft konnte ich mich nicht so konzentrieren. Ich hatte immer wieder starke Schmerzen und laufend Untersuchungen. Ich konnte mich vor allem nicht so auf die Kontakte konzentrieren, die ich gebraucht hätte. Ich hatte noch Kontakte aus meiner alten Firma, da konnte ich schon was davon mitnehmen. Und eigentlich war es ja ein bekannter alteingesessener Betrieb, aber das hat mir auch nichts geholfen. Die Leute haben erst einmal geschaut wie sich der Neue macht und abgewartet, was passiert. Das heisst, ich hätte ständig draußen unterwegs sein müssen und das Geschäft ankurbeln. Das war mir in dieser Situation nicht möglich und dadurch ist das Geschäft auch nicht so angelaufen, wie ich gehofft hatte.

Dass es ein Tumor war, wurde dann im Dezember klar. Ich wurde innerhalb von zwei Tagen zweimal operiert und es stand echt an der Kippe. Es war nicht klar, ob ich es schaffe. Wie ernst es war wurde mir eigentlich erst später bewusst. Aber das heisst, 1 Monat Krankenhaus, 1 Monat Rehabilitation und dann noch ca. 4 Monate, in denen ich nur stundenweise langsam wieder zu arbeiten beginnen konnte.

Damit war das Geschäft abgefahren. Inzwischen hatte ich Gott sei Dank eine Ganztagssekretärin, die sehr geholfen hat, den Betrieb weiter zu führen. Ohne sie hätte ich den Betrieb gleich zusperren können. Das wäre auch besser gewesen aus heutiger Sicht.

Ich hab mich reingehängt, hab versucht, den Betrieb neu zu aktivieren. Ich hab es dann schlussendlich nicht geschafft. Aber ich wollte damals halt unbedingt diesen Status der Selbständigkeit weiterführen. Angestellt zu sein, hat auch seine angenehmen Seiten weil man nicht so im Vordergrund steht und eine gewisse finanzielle Sicherheit da ist. Aber ich bin ein entscheidungsfreudiger Mensch und wollte die Selbständigkeit nicht aufgeben. Ich hab gesagt, da beiss ich mich durch. Aber letztlich war ich zu schwach dafür.

Eine Expansion als Rettungsanker

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Mehr Kunden und Aufträge braucht das Geschäft. Anstatt neuer Kunden brachte die Expansion jede Menge Probleme.

Dann gab es auch Fehler. Bei den Versuchen die Firma wieder zu aktivieren hab ich mich verrannt. Ich hab den Lüftungsbereich, der ursprünglich zum Betrieb gehört hatte, mit dazu übernommen. Ich wollte damit Synergieeffekte nutzen, den Kundenstock damit ausbauen. Aber das war der verkehrte Gedanke. Es wäre nicht nötig gewesen, ich hätte einfach meinen Kundenstock, den ich hatte, auch so ausbauen und stärken können. Und ich hätte mir viele Probleme erspart.

Da hingen einige Altlasten dran. Zum Beispiel habe ich zwei ältere Mitarbeiter mit ziemlich hohen Abfertigungsansprüchen übernommen. Ich hatte mir damals keine Gedanken darüber gemacht was das heisst. Und dann zeigte sich auch, dass Aufträge nicht ordentlich abgeschlossen waren und das ist alles auf mich zurückgefallen. Ich war dauernd mit diesem Bereich beschäftigt. Das hat mich so in Anspruch genommen, dass ich mich um den Heizungsteil viel zu wenig kümmern konnte. Also da hab ich mich in etwas hineinmanövriert. Und damit ist der Auftrieb wieder nicht gekommen.

Ich hätte mich beraten lassen sollen. Den Vorwurf hab ich dann auch schlucken müssen. Mein Steuerberater hat mich gefragt: "Ja hast du dich denn da nicht eingehender erkundigt?" Und recht hat er gehabt. Aber ich wollte das alles aus eigener Kraft heraus schaffen und hab viel zu wenig auf andere gehört. Das war der Fehler, der mir immer wieder passiert ist, den auch viele machen. Ich hab ja diese Warnungen schon gehört gehabt. Es gab ja in meinem Bekanntenkreis Konkursfälle und ich hab mir gedacht, nein, das passiert mir nicht. Und dann mach ich den gleichen Fehler selber. Den Verkäufer hab ich ja gekannt und ich hab ihm vertraut. Das war leider eine Bauchgeschichte. Wenn ich es mir heute überlege, hat er mich über den Tisch gezogen. Er hat die Erfahrungen gehabt und hat es genutzt und es mir um den Hals gehängt.

Der größere Teil war einfach, dass ich in dem Bereich falsche Entscheidungen getroffen habe und mich nicht eingehend vorher informiert habe. Ich möchte nicht alles auf den Lüftungsteil abschieben, das war ein Teil mit, abgesehen von der Krankheit.

Ich hab dann noch ein Haus verkauft, das meiner Schwester und mir gehörte. Also noch einmal hineingebuttert, aber das hat alles nichts mehr geholfen. Das hätt ich nicht mehr tun dürfen. Ich hätte sagen müssen, jetzt ist Schluss, es hat keinen Sinn mehr. Mit dem Geld alleine kannst es nicht machen. Ich hatte schon zu viele Belastungen angesammelt und es ist mir nicht gelungen, die richtige Auslastung zustande zu bringen. Einmal zuwenig und dann wieder zuviel. Ich hatte auch große Aufträge angenommen, für die ich wieder Leute beschäftigen musste. Und dann passte das alles nicht zusammen, das Team war einfach noch nicht eingespielt.

Die Insolvenz wird öffentlich

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Am Höhepunkt der Krise nimmt Johann Beratung in Anspruch. Es wird klar, er wird den Konkurs nicht abwenden können.

Es wurde immer enger, im Sommer 98 hatte ich 8 Mitarbeiter und ca. 7 Mio. Schilling Schulden. Und dann hab ich hab gesagt, ich brauch eine Beratung, auf die ich mich stützen konnte. Das wurde gefördert, einen Teil bezahlte das WIFI und den anderen Teil hat die Bank übernommen. Dort ist es auch schon immer knapper geworden und sie haben gesagt, sie bezahlen das wenn sie nachher ein Ergebnis haben, auf das sie sich stützen können, egal ob es positiv oder negativ ist.

Mit der Beratung ist schon klar geworden, dass das alles an der Kippe steht. Ich hab auch schon überlegt, ob ich nicht Personal teilweise wieder abbaue und so die Kosten reduziere, aber dann kann ich Aufträge nicht mehr erfüllen. Also ich hab den Abgrund schon vor mir gesehen und es war zu spät um das noch auszulenken.

Der Ehrgeiz und der Stolz haben mich noch abgehalten, sofort Konkurs anzumelden. Zugeben zu müssen, dass man sein eigenes Kind hergeben muss. Bis man sich das eingesteht, dass es einfach nicht mehr geht, da braucht man einfach seine Zeit. Im Winter hatte ich dann eine Grippe und lag wieder eine Woche im Bett. Ich hab alles noch einmal durchkalkuliert und es war klar, Schluss, es geht einfach nicht. Ich würde meine Familie noch mehr in Gefahr bringen, als sie ohnehin schon war. Und damit war die Entscheidung klar. Ich hab mit meiner Familie gesprochen und ihnen gesagt, was uns bevorsteht. Da gab es sehr viel Unterstützung.

Mit den Mitarbeitern hab ich mich zusammengesetzt und gesagt, diesen Weg muss ich gehen, es lässt sich nicht mehr anders durchführen. Sie haben hin und her überlegt und gemeint, sie würden Geld in die Firma einbringen. Also über so ein Angebot denkt man schon nach, aber ich wollte diesen Vertrauensbeweis nicht missbrauchen. Das wär sich nie ausgegangen und ich wollte nicht auch noch andere mit hinein ziehen.

Die mieseste Zeit ist, wenn man überlegt: soll ich oder soll ich nicht? Also ich hab nächtelang nicht geschlafen. Nachdem man sich innerlich einmal entschossen hat, dann fällt das ab. Nachdem das klar abgesteckt ist und man rausgeht und die wichtigsten Stellen informiert, die Familie, die Mitarbeiter, die Bank. Der Weg zum Gericht, Konkursanmeldung, dann war es im Rollen. Und ab dem Zeitpunkt war die Last zwar nicht weg, aber es war ein Status, so ist es.

Dann beginnt erst ein ganz anderer Weg. Alles aufbereiten, das Gericht bestellt einen Masseverwalter, mit dem muss man gemeinsam das alles durchgehen, dokumentieren, bewerten. Dann ist es schon in der Zeitung gestanden. Ich hab genau zwei Artikel in der Lokalzeitung gehabt, als ich eröffnet habe und als ich Konkurs angemeldet habe.

Dass es öffentlich wurde, das war mir wahnsinnig unangenehm. Dass mich ein Masseverwalter verwaltete war nicht so schlimm, auf das hatte ich mich eingestellt. Man muss sich halt für alles eine Unterschrift holen. Aber die Postsperre war für mich schlimm, weil damit war zumindest der Post klar was los ist. Außerdem wird es ja auch öffentlich bekannt gegeben. Damit kämpfe ich bis heute, ich geniere mich. Weil es halt in unserer Gesellschaft ein Manko ist wenn du so einen Weg gehst. Und es fragt ja auch keiner was passiert ist. Hier wissen alle was los ist, aber niemand spricht mich darauf an. Und selbst ein Konto ohne Überziehungsrahmen zu bekommen ist ein Problem, da hast du einen schwarzen Punkt.

Neue Versuche und der Privatkonkurs

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Der Versuch, über ein EDV-Projekt wieder zu Geld zu kommen, scheitert. Letztlich muss Johann auch Privatkonkurs anmelden.

Es sind viele Schulden übrig geblieben. Es war eine GmbH und ich war handelsrechtlicher Geschäftsführer, da ist natürlich einiges hängen geblieben. Zuerst haben wir gesagt, wir werden das schon schaffen, die Bank hatte schon auf Geld verzichtet.

Eine befreundete Firma hatte mir einen Job angeboten, wieder in der gleichen Branche. Ich war gewerberechtlicher Geschäftsführer, aber es wiederholten sich viele Dinge. Der Ärger mit Kunden, die nach Mängeln suchen um Zahlungen hinauszögern zu können. Ich konnte auch den Personalbereich nicht so aufbauen und schulen, wie ich es wollte. Und dann musste ich wieder operieren gehen. Ich hab dann Schluss gemacht mit dem Job weil mir klar war, dass mich das ganze krank macht.

Mit einem Freund hab ich dann begonnen, eine Software zu schreiben. EDV war schon immer ein Hobby von mir und hat mich interessiert. Geplant war eine Kooperation mit einer EDV-Firma, die das verkaufen wollte. Wir haben viele Stunden investiert, aber letztlich ist das auch gescheitert. Es gab Konflikte, einen Rechtsstreit und schließlich haben wir uns verglichen. Aber die vereinbarte Summe haben wir auch nie bekommen und die Firma ist heute selbst in Konkurs. Also da wird auch nichts mehr kommen. Das war natürlich gedacht, damit ich einen Teil meiner Schulden wegbringe.

Der Privatkonkurs war eigentlich der schlimmste Weg. Die Schuldenlast war einfach zu groß. Meine Frau hat einen Teil davon übernommen, drum leben wir noch immer in unserem Haus. Trotzdem sind mir mehr als 4 Mio. Schilling Schulden übrig geblieben. Ich hab mir einen Anwalt genommen den ich schon von früher kannte und den hab ich gefragt, wie machen wir das, wie bereiten wird das vor? Wir haben die Vermögensaufstellung und den Zahlungsplan vorbereitet und das Schuldenregulierungsverfahren angemeldet. Das hat dann zwar wieder ein paar Monate gedauert bis es eröffnet wurde, dann ist es aber relativ rasch gegangen bis der Zahlungsplan angenommen war. Das war dann im Sommer 2001. Wegen der hohen Schulden und der ganzen familiären und finanziellen Situation haben die Gläubiger eine 5%-Quote akzeptiert. Es war allen klar, dass mehr nicht geht.

Meine Selbständigkeit setze ich jetzt gemeinsam mit meinem Freund im EDV-Bereich fort. Die Firma entwickelt sich langsam, aber wir gehen auch sehr vorsichtig vor. Wir investieren nur aus dem Eigenkapital heraus. Durch meine Krankheit bin ich zu 50% erwerbsunfähig. Das ist gerade soviel, dass ich keine Arbeit mehr bekomme und dass mein Ansuchen um Erwerbsunfähigkeitspension abgelehnt wurde.

Heute noch nicht ganz fertig damit...

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...aber Johann hat neue Wege gefunden, mit dem Druck und dem Stress fertig zu werden.

Der Druck war dermaßen groß, und ist auch jetzt noch fallweise da, dass ich tagelang nicht einschlafen konnte. Nicht einschlafen, nicht durchschlafen. Da bist du nicht mehr arbeitsfähig, da bist du den ganzen Tag erledigt. Was die letzten Jahre so gelaufen ist, das verfolgt einen lange Zeit. Bis du mit dem einmal wirklich fertig bist, das dauert einfach. Ich bin heute noch nicht ganz fertig damit, aber am Weg dazu. Ich kann heute wesentlich besser damit umgehen als wie vor einigen Jahren.

Wenn man durch so etwas durchgehen muss, wenn es keinen anderen Weg gibt, dann muss man vorbereitet da durchgehen. Das heisst, man darf sich nicht kopfüber reinstürzen, ohne sich in eine Beratung zu begeben. Das ist in meinen Augen das Wichtigste, dass man sich darauf vorbereitet. Um sich klar zu werden, was auf einen zukommt, weil das ist ja niemandem klar, das war mir ja auch nicht klar. Man kann sich auch nicht so gut vorbereiten, dass man das alles fasst was dahinter kommt.

Wichtig ist, dass man überhaupt einmal den Weg sieht, dass man den gehen muss, dass es keine andere Möglichkeit gibt. Ich hatte zum Beispiel wahnsinnige Angst davor, dass mich jetzt jemand verwalten wird, nämlich der Masseverwalter. Aber durch die Vorbereitung war etwas klar umrissen, es war ein Rahmen gesteckt wo ich klar erkannt habe, in dem werde ich mich in etwa bewegen und da drin muss ich mir einfach meinen Platz suchen um auch das durch zu stehen. Das kann ich nur jedem raten der das machen muss.

Das Rezept gibt es nicht. Egal ob es um Krankheit oder um Konkurs geht, man kann in viele Fallen hineintappen. Aber ich finde auch, man erfährt immer zuwenig. Ich wünsche mir auch so etwas wie eine Plattform oder Anlaufstelle für die Nachversorgung bei Krankheiten. Wenigstens so, dass die Erfahrungen weiter gegeben werden können. Wer wirklich interessiert ist, wird sich das anhören und kann sich rausnehmen was er will. Es gibt so viele Ansatzpunkte, ich möchte in diese Richtung weiterarbeiten.

Neue Wege: Die Spreu vom Weizen trennen

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Bei einer gesundheitlichen oder finanziellen Krise trennt sich rasch die Spreu vom Weizen.

Dieser permanente Druck jedem Auftrag nachlaufen zu müssen um den Betrieb aufrecht zu erhalten - da gibt es Mitarbeiter, die bezahlt werden wollen und das auch mit Recht. Es hat einfach dazu geführt, dass ich mit Gewalt versucht habe, jeden denkbaren Auftrag zu bekommen. Dann ist es dabei oft gar nicht mehr um die Frage gegangen, macht das überhaupt einen Sinn? Ich habe Aufträge zu Preisen angenommen, die hätte ich besser bleiben lassen sollen. Aber Nein sagen war einfach nicht mehr denkbar.

Ich arbeite noch immer selbständig, gemeinsam mit einem Team arbeite ich an Internetlösungen. Aber ich laufe nicht mehr jedem Auftrag um jeden Preis nach. Wir haben ein Produkt, das etwas zu bieten hat und diese Qualität muss auch honoriert werden. Natürlich suchen Kunden immer danach, wie sie es billiger bekommen können. Aber heute stehe ich auf dem Standpunkt, das Geschäft muss mir und dem Kunden etwas bringen. Ich bin nicht mehr bereit, mich dieser Art von Wettbewerb noch so auszusetzen. In jeder unserer Arbeiten steckt Energie und Enthusiasmus und das muss anerkannt werden. Wenn das nicht zurückkommt, dann sage ich heute auch Nein zu einem Auftrag. Ich nehme mir es nicht nur vor, sondern ich tue es wirklich. Wir wachsen dadurch vielleicht langsamer, aber ich bin überzeugt, dadurch wachsen wir gesünder.

Die Spreu vom Weizen trennt sich ganz von selbst, wenn man eine schwere Krankheit oder eine schwere finanzielle Krise erlebt. Das musste ich auch schmerzlich erfahren. Aber ich gehe jetzt einen Schritt weiter und trenne selbst, überlege mir, was ist Weizen, was ist Spreu. Was bringt mich weiter, was tut mir und meiner Entwicklung gut, und was behindert oder belastet mich nur. Das gilt nicht nur für das geschäftliche, auch für den privaten Bereich. Ich habe festgestellt, dass so manche Freunde mich sehr viel Energie gekostet haben. Ich sehe mir das heute viel genauer an und sage auch hier öfter Nein. Ich habe etwas zu geben, privat wie geschäftlich, aber da muss auch etwas zurückkommen.

Ich habe begonnen, mich mit ganzheitlicher Lebensführung zu beschäftigen und das hat mir sehr geholfen, meine Krankheit zu bewältigen. Ich brauchte einen anderen Weg um mit dem Druck und dem Stress zurecht zu kommen. Ich finde dadurch auch neue Möglichkeiten, wie ich an mein Geschäft herangehe. Der alte Weg hat mir nichts anderes gebracht als dass ich krank geworden bin. Ich merke, dass die Energien jetzt anders fließen als vorher und auch Geschäftskontakte schließen fällt mir jetzt viel leichter.

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