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Das Traumlokal wird zum Alptraum

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Eigentlich hätte es ja eine eigene kleine Bäckerei werden sollen. Dann entschloss sich Robert für die Gastronomie und wurde Wirt - für zehn Monate.

Eigentlich bin ich gelernter Bäcker, ich habe Ende der 80er Jahre meine Lehre abgeschlossen und anschließend auch noch die Meisterprüfung gemacht. Mein Chef hatte sehr viel Vertrauen in mich und ich habe einen Filialbetrieb praktisch eigenständig geführt.

Dann sind Mitte der 90er Jahre einige Dinge gleichzeitig passiert. Die Filiale wurde wegen Sparmaßnahmen geschlossen und ich musste in die Zentrale wechseln. Viel schlimmer war, dass ziemlich zeitgleich meine Ehe für mich völlig überraschend zu Ende war. Nach nicht einmal zwei Jahren von einem Tag auf den anderen. Ich bin damals in ein sehr tiefes schwarzes Loch gestürzt, aus dem ich nur schwer wieder herausgekommen bin. Aber ich hab mir gedacht, ich hab zwei gesunde Füße und Hände und einen Verstand, es kann nur aufwärts gehen. Nach zwei Jahren war ich einigermaßen über den Damm und hab begonnen, mich stärker mit dem Gedanken an die Selbständigkeit zu beschäftigen.

Selbständig wollte ich schon immer werden. Eine Bäckerei wäre natürlich das Nächstliegende gewesen. Ich war 15 Jahre lang in der Bäckerei tätig und es war reine Nachtarbeit. Ich hab gewusst, da bist eigentlich Mensch zweiter Klasse. Man verdient zwar gut als Angestellter, aber als Selbständiger musst du in der Bäckerei noch besser sein, noch früher aufstehen und da hast fast keine Chance mehr. Um gute Qualität zu erzeugen muss man sehr viel investieren, alleine ein guter Backofen ist sehr teuer.

Da hab ich mir gedacht, ich mach in Richtung Gastronomie, hab auch die Konzessionsprüfung gemacht und mit der Suche nach einem geeigneten Lokal begonnen. Ich muss dazusagen, ich lebe in einer Kleinstadt in den Alpen. Da kennt man die meisten Leute von Kindheit an, man weiß übereinander Bescheid. Gute zwei Jahre nach meiner Scheidung war es soweit, in meiner Heimatstadt habe ich dann auch das Lokal gefunden. Es war das Lokal, von dem ich schon immer gesagt habe, so etwas will ich. Ca. 40 Sitzplätze, übersichtlich, gut gelegen.

Es ist alles zu glatt gegangen

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Robert hatte das Gefühl, dass die Vorbereitungen reibungslos über die Bühne gingen. Die späteren Stolpersteine waren aber schon gelegt.

Mit der Eigentümerin bin ich rasch einig geworden. Dann ist der Direktor meiner Haubank zu mir gekommen und hat mich gefragt, hast schon mit anderen Banken gesprochen? Ich hatte wirklich schon Termine bei mehreren Banken. Darauf meint er, komm zu mir, ich mach dir ein super Angebot. Die Finanzierungspläne haben wir gemeinsam ausgearbeitet. Das ist alles auf Kredite in Schweizer Franken und japanische Yen gegangen, das hat sich für mich alles sehr beeindruckend angehört. Ich hab die Wechsel unterschrieben und konnte mich voll aufs eigentliche Geschäft konzentrieren. Ich hatte schon das Gefühl, dass ich in guten Händen bin und hab da voll vertraut. Außerdem war der Bankdirektor auch ein alter Freund der Familie.

Über die Wirtschaftskammer hab ich damals auch eine geförderte Beratung in Anspruch genommen. Mit dem Berater hab ich die Speise- und Getränkekarte bis ins Detail vorbereitet. Genau durchgerechnet, wieviel muss von den Speisen und Getränken verkauft werden, damit es sich rechnet. Und das Lokal wieder aufpoliert, es war ziemlich heruntergeschlampt. Die Elektrik war völlig veraltet, neue Geräte mussten rein und die Einrichtung war schon mehr als abgewohnt. Da hab ich sehr viel hineinstecken müssen weil ich sag, ein Lokal muss sauber sein und auf die Gäste freundlich und sympathisch wirken.

Der Mietvertrag war auf 5 Jahre. Der Berater hat von Anfang an gemeint, dass die Miete sehr hoch ist auf das, was man hereinwirtschaften kann. Bei einem Termin mit der Eigentümerin hat er da auch noch einmal vehement versucht, Druck zu machen, dass sie runtergeht. Aber sie hat nicht nachgegeben, entweder zu diesem Preis oder gar nicht. Und ich hab mir das eingebildet, da bin ich oft ein Sturkopf, wenn ich mir etwas einbilde, dann will ich das auch durchbekommen. Auch bei meinem letzten Termin mit dem Berater hat er noch einmal gemeint, dass ihm die Kosten Bauchweh machen. Aber ich dachte mir, dann sperr ich halt schon um sechs Uhr früh auf, dann bekomm ich das schon herein.

Der Start: ein gut besuchtes Lokal

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Der volle Einsatz macht sich bezahlt, das Lokal läuft sofort gut an. Mit dem Umsatz wachsen aber auch die Kosten.

Im Herbst ist es dann losgegangen und wir waren wirklich von Anfang an gut besucht. Mein Motto war, jeder der sich ordentlich benimmt und seine Rechnung bezahlt, wird von mir gleich behandelt. Das war nicht jedem Recht. In dem Lokal waren auch in der Vergangenheit öfter Promis, besonders Schisportler, und damit war es auch öfter in den Medien. Und da gab es schon Leute, die meinten, sie müssten bevorzugt behandelt werden, aber wenn das Lokal voll war, dann musste der mit dem Ferrari genauso lange warten wie jeder andere auch. Und das hat mich rasch genervt, weil da kamen bald jede Menge guter Ratschläge, wie ich mit den Leuten umgehen sollte. Da gab es Leute, die haben mich mitten in der Nacht angerufen! Ich wollte einfach, dass die Gäste wegen der Freundlichkeit und des guten Preis- Leistungs- Verhältnisses kamen.

Und in so einer kleineren Stadt, da wird natürlich immer über dich geredet und getratscht. Von vorne tun sie einem alle schön, aber hintenherum wissen es alle besser. Und es gibt Leute, wenn die ein falsches Wort über dich in Umlauf bringen, dann hast keine Chance. Also heute sag ich, es gibt Leute, mit denen hab ich abgeschlosssen, aber damals war ich von ihnen abhängig. Ich hab das gemerkt, ich war damals ein Sklave meiner selbst und der Gesellschaft.

Montag bis Samstag hatte ich von 6 Uhr früh bis spät in die Nacht offen, das Kaffeegeschäft am Morgen hab ich ganz alleine gemacht. Eigentlich war es von der Kalkulation her darauf ausgerichtet, dass ich es überhaupt allein schaffe, aber ich brauchte noch Personal. Wenn das Lokal voll war, das war für eine Person unmöglich zu schaffen. Als Bäcker hab ich gebuckelt, aber für mich waren diese ersten Monate anstrengender als jede andere Bäckersaison, die ich davor erlebt hatte. Selbst im Schlaf hab ich noch Spinatknödeln gekocht und ich hatte keine Ahnung mehr, welches Wetter draußen war.

In den ersten Monaten konnte ich auch die Umsätze erwirtschaften, die ich brauchte, das war im Herbst und Winter. Das Lokal war oft gerammelt voll. Aber wie gesagt, um diese Umsätze hereinzubringen, brauchte ich schon mehr Personal als geplant. Und laufend waren weitere Investitionen und Anschaffungen notwendig, um diese Menge an Essen und Getränken umsetzen zu können. Da muss alles reibungslos funktionieren und ein altersschwacher Geschirrspüler zum Beispiel, das geht da einfach nicht. So hat sich die Katze immer mehr in den Schwanz gebissen. Ich brauchte die Umsätze für die hohen laufenden Kosten und damit ich sie schaffte, musste ich laufend wieder Geld hineinstecken.

Mit der Bank hatte ich immer Kontakt gehalten, der Bankdirektor, der übrigens auch regelmäßig Gast im Lokal war, genehmigte ja auch jede der weiteren Investitionen. Dann kamen die ersten schöneren Tage, die Leute wollten raus ins Freie und das hat sofort auf die Umsätze gedrückt. Ich war psychisch und physisch schon ziemlich ausgebrannt und finanziell wurde es schnell enger.

Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

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Nach dem Winterhoch bringt der warme Frühling die Umsätze zum Schmelzen, gleichzeitig wird die Beziehung zur Bank eisig.

Ich hab dann schon versucht, beim Personal einzusparen. Aber das hat das eigentliche Problem nicht gelöst. Damit die ganze Kalkulation funktioniert, wären diese Umsätze wie im Herbst und Winter übers ganze Jahr notwendig gewesen. Da hätte es keine schönen Tage und kein Sommerloch geben dürfen. Und selbst dann hätt es nicht funktioniert, denn ich war nach diesen wenigen Monaten schon völlig ausgepumpt. Mir ist klar geworden, dass ich nicht zwölf Monate im Jahr, sieben Tage in der Woche mit einem solchen Hochdruck arbeiten kann. Der Sonntag war zwar Ruhetag, aber da gab es jede Menge anderer Arbeiten zu erledigen.

Die laufenden Kosten waren einfach zu hoch. Mir war klar, dass es mit dieser Miete einfach nicht zu schaffen war. Mein Steuerberater hat mit mir durchgerechnet, dass es wahrscheinlich günstiger wäre, wenn ich das Lokal kaufen würde. Aber die Eigentümerin hatte wieder horrende Preisvorstellungen und so ist das auch flach gefallen. Ich hab ihr gesagt, wenn sie nicht mit der Miete runtergeht, dann muss ich zusperren. Mit Tränen in den Augen hat sie gemeint, sie muss ja auch leben. Das war einfach ein Kasperltheater.

Es hat nicht lange gedauert, da hat der Bankdirektor gemeint, so geht es nicht weiter. Ich hab dann alles versucht, noch zu Geld zu kommen, noch einmal versucht, mit den Banken zu sprechen, die mir damals alle offene Türen versprochen hatten. Davon wollten sie jetzt nichts mehr wissen. Einige Verwandte wären bereit gewesen, Geld hineinzustecken, aber ein Freund hat mich davor gewarnt. Er arbeitet selbst in einer Bank und er hat gemeint, damit stopfe ich nur für einige Zeit Löcher, das Problem bleibt das Gleiche und ich rutsche nur tiefer und tiefer hinein. Er hat mir damals gesagt, im Gastgewerbe kommt nichts Besseres nach und er hat mir zum Konkurs geraten. Ich muss sagen, er hatte Recht. In den letzten sechs Jahren waren drei weitere Pächter auf dem Lokal und jetzt steht es schon wieder leer.

Die Mahnungen und Zahlungserinnerungen haben sich in der Zwischenzeit gestapelt. Besonders bei den kleinen Lieferanten aus dem Ort hab ich noch versucht zu bezahlen was möglich war, aber mehr ging nicht mehr. Mit den Nerven war ich schon ziemlich fertig, aber ich hab mir immer gesagt, jetzt nur nichts überhudeln und hab versucht, mich unter Kontrolle zu halten. Im Mai war dann der totale Umsatzeinbruch, die Stadt war wie ausgestorben und ich hab den ganzen Tag eine Handvoll Gäste gehabt. Ab da hab ich die Rechnungen nur mehr in die Schublade gelegt, ich konnte einfach nichts mehr bezahlen.

Ich hab dann mit einem Rechtsanwalt gesprochen, den ich vom Fußball spielen her kannte. Er war damit einverstanden, dass ich ihn in Raten bezahle und er begann, sich um das Ganze zu kümmern und hat mit den Gläubigern Kontakt aufgenommen. Er hat auch versucht, mit der Eigentümerin zu verhandeln, die ist gleich mit ihrem Rechtsanwalt gekommen. Er versuchte auch, zu der Bank einen Draht zu bekommen um hier zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Der Bankdirektor hatte aber in der Zwischenzeit schon den Wechsel fällig gestellt.

Es war klar, dass hier nichts mehr weitergeht und es war auch der Moment, wo mir klar wurde, dass ich mich jetzt um mich selbst kümmern musste. Ich wollte auf keinen Fall die Gewerbeberechtigung verlieren, habe also sofort das Gewerbe zurückgelegt, damit ist alles privat schlagend geworden. Und dann ist alles sehr schnell gegangen, innerhalb von ein paar Tagen hab ich das Lokal ausgeräumt. Das war Ende Juni, zehn Monate, nachdem ich aufgesperrt hatte. Ich wollte mich noch von einer Schuldnerberatungsstelle beraten lassen, aber die Wartezeiten waren ziemlich lang und das Risiko wollte ich nicht eingehen. Also hab ich mich wieder mit dem Anwalt arrangiert, damit er mit mir das Schuldenregulierungsverfahren vorbereitet.

Der Kampf um den Zahlungsplan

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Ein Zahlungsplan wird vorbereitet, aber die Bank will nicht zustimmen und die Lokaleigentümerin will den Rest der Miete einklagen.

Das Schuldenregulierungsverfahren wurde zwei Monate später eröffnet, insgesamt hatte ich 1,8 Mio. Schilling Schulden. Davon waren 1,2 Mio. bei der Bank, es war ja alles fremdfinanziert. Wir wollten einen Zahlungsplan erreichen, dem wollte die Bank nicht zustimmen. Ich wollte keinesfalls in ein Abschöpfungsverfahren, ich glaube, da hätte ich jede Motivation verloren, das war für mich eine fürchterliche Vorstellung. Die Bank hat aber gemeint, der Bäckermeister ist noch jung, er soll in ein Abschöpfungsverfahren, der kann weiterhin verdienen. Ich muss sagen, mein Anwalt hat da sehr viel Verhandlungsgeschick bewiesen, ohne ihn hätte ich das nie durchbekommen.

Die Bank hat ein paar kleinere Extra-Zahlungen bekommen und dann noch einmal einen größeren Betrag und damit haben sie dem Zahlungsplan mit einer 15%-Quote zugestimmt. Damit wir der Bank dieses Zuckerl anbieten konnten, hat mir meine Familie das Geld dafür zur Verfügung gestellt. Gott sei Dank hatte ich damals auch Menschen, die zu mir standen. Meine Freundin, mit der ich mittlerweile ein Kind habe, ist mir von Anfang an beigestanden.

Bis das alles abgeschlossen war, das ist natürlich nicht alles so locker vor sich gegangen. Da war erstens die Angst, dass der Zahlungsplan von der Bank endgültig abgelehnt wird. Dann hat es mit der Eigentümerin des Lokals noch Probleme gegeben. Der Vertrag war ja eigentlich auf fünf Jahre und sie wollte die Miete für die restliche Laufzeit einklagen, also mehr als vier Jahre. Das hätte die Schulden noch einmal gewaltig in die Höhe getrieben und ich hätte wahrscheinlich keinen Zahlungsplan durchgebracht. Mein Anwalt konnte das dann abbiegen. Sie hatte ja nie Bilanzen vorgelegt und mein Anwalt sagte ihr, dass wir dann eine Offenlegung ihrer Bilanzen verlangen würden. Sie hat die hohe Miete ja damit argumentiert, dass sie so hohe Umsätze gehabt hätte und wir haben anhand von Stromrechnungen einmal nachgerechnet, dass ihre Umsätze wahrscheinlich viel niedriger waren als meine. Das wollte sie dann anscheinend doch nicht und hat einen Rückzieher gemacht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie sich die Kaution, die ja auch über die Bank besichert war, schon geholt hatte. Möglicherweise hätte auch die Bank empfindlich reagiert, wenn sich herausgestellt hätte, dass die Miete aufgrund falscher Angaben zustande gekommen ist.

Dann hatte ich bei Unternehmensstart ein Leasingauto genommen. Das Auto hatte einen Neupreis von 320.000 Schilling und als ich es nach den zehn Monaten wieder zurückgegeben habe, wurde es von einem Gutachter auf 180.000 Schilling geschätzt. Sie wollten den fehlenden Differenzbetrag von mir oder ich finde jemanden, der in den Leasingvertrag einsteigt. Das hatte ich nicht, aber ich hatte einen Käufer gefunden, der es um 220.000 Schilling gekauft hätte. Das wurde aber abgelehnt, da war plötzlich der Verkaufswert doch höher. Der Autohändler war übrigens ein alter Bekannter von mir. Da hab ich einige Dämpfer bekommen, also da spürt man schon die Enttäuschung. Heute weiss ich, dass man Freunde und Kollegen an einer Hand abzählen kann.

Und dann ist man vor Gericht, das ist schon sehr bedrückend. Ich war in meinem ganzen Leben zweimal vor Gericht. Das erste Mal bei der Scheidung und dann beim Konkursverfahren. Und da war auch der Bankdirektor, auf einmal war es, als ob er mich nicht kennen würde. Der Bankdirektor fragte tatsächlich den Richter, ob er sich über meinen Leumund erkundigt hat, und da hab ich mir schon gedacht, soweit ist es gekommen. Da bist nur mehr ein Fall, den die Bank abzuhandeln versucht. Und bei den verschiedenen Terminen, es wurde sehr viel über mich in der 3. Person gesprochen, neben mir, als ob ich nicht da wäre. Man fragt sich dann schon manchmal, ob man ein schlechter Mensch ist.

Den Frust und die Schulden abgebaut

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Mit der Annahme des Zahlungsplans ist die Basis für einen Neubeginn geschafft. Nach einem Jahr beginnt Robert in jener Firma zu arbeiten, in der er heute noch beschäftigt ist.

Mir sind also 300.000 Schilling an Schulden geblieben. Ich hatte mich in der Zwischenzeit arbeitslos gemeldet, zum ersten Mal in meinem Leben. Daneben hatte ich geringfügige Jobs und damit bin ich in Summe zuerst einmal über die Runden gekommen und konnte auch meine Verpflichtungen erfüllen.

Ich hatte schon vor der Selbständigkeit sehr viel gearbeitet und die letzten zehn Monate hatten an der Substanz gezehrt. Ich hab die ganze Zeit drauf geschaut, dass ich mich unter Kontrolle hab und dass ich Ruhe bewahre. Es kann sich keiner vorstellen, der nicht so tief unten war, du bist da wirklich existenzbedroht, das ist nicht mehr weit weg. Wenn du schauen musst, wo kommt das Geld her, rundherum klopfen sie an und fragen, wann krieg ich das Geld? Dann die Exekutionen, das ist schon eine psychische Belastung. Als der Zahlungsplan angenommen war, da wusste ich, jetzt kann mir keiner mehr was tun. Dieses Gefühl der Bedrohung war nicht mehr da und ich spürte einfach, dass ich das Richtige getan hatte. Ich wusste, jetzt kann es nur mehr aufwärts gehen, jetzt hatte ich wieder eine Perspektive.

Mit dem Privatkonkurs hab ich am Anfang schon noch massiv im Hinterkopf zu kämpfen gehabt. Wenn ich mir heute die Briefe anschau, die von Rechtsanwalt zu Rechtsanwalt geschrieben wurden über mich, da hatte ich schon das Gefühl, ich bin der letzte Scheissdreck. Also ich denke, wenn da einer ein bisschen ein labiler Charakter ist, da können wilde Sachen passieren. Und ich muss auch sagen, da hab ich mich schon unter Kontrolle haben müssen, ich hatte auch einen ziemlichen Hass aufgebaut. Mittlerweile muss ich sagen, geht es, obwohl, man hat dann schon wieder Phasen, Schuldgefühle. So schnell kann man das nicht ad acta legen, etwas Trauerarbeit braucht man. Aber heute kann ich an dem Lokal vorbeigehen, ohne dass es mir weh tut. Heute kann ich drüber reden, obwohl, mich spricht keiner drauf an. Manchmal frag ich mich, ob es die Leute wirklich nicht wissen oder ob sie sich nicht trauen, es anzusprechen.

Ich hatte mich einfach überschätzt und war ausgebrannt. Ich wurde dann krank, ich glaube, da ist dann alles rausgekommen. Ich hab einige Zeit gebraucht, mich wieder zu erholen, hab aber schon laufend Bewerbungen geschrieben. Am Anfang sind nur Absagen gekommen. Ein gutes Jahr nachdem ich das Lokal zugesperrt hatte, habe ich einen Job bei der Firma gefunden, bei der ich heute noch arbeite. Da hat von Anfang an alles gepasst und über die Jahre hab ich mich da weiterentwickeln können. Mittlerweile bin ich in der Hierarchie und im Gehaltsschema ein paar Stufen gestiegen und von den Schulden sind noch ein paar Tausend Euro übrig.

Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

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Robert war bei der Gründung der Überzeugung, alle Hürden mit seinem Engagement und seiner Leistungsfähigkeit überwinden zu können. Selbstausbeutung als Erfolgsrezept?

Damals, als die Bank den Hahn zugedreht hat, war es nicht mehr so schlimm für mich. Ich war schon ausgebrannt und mir war auch klar geworden, dass es ohnehin nie so zu führen gewesen wäre, dass ein menschenwürdiges Leben dabei möglich gewesen wäre. Aber beim Start war ich überzeugt, dass ich mit meiner Leistungsfähigkeit alle Widrigkeiten ausgleichen kann. Früher hätte ich gesagt, man muss sich nur genug um die Gäste bemühen, dann kommen sie auch, egal welches Wetter ist. Früher hätte ich gesagt, dann lasse ich halt noch zwei Stunden länger offen, um die nötigen Umsätze zu machen. Heute weiss ich, dass man mit seiner Gesundheit so nicht umgehen darf. Nach dieser Katastrophe bin ich nur mehr im Bett gelegen, ich hab einfach nicht mehr gekonnt. Ich habe auch gelernt, dass ich nicht mehr in der Gastronomie arbeiten will. Ich brauche einen regelmäßigen Arbeitsrhythmus und ich will auch meine regelmäßigen Erholungsphasen haben. Ich würde mir das heute nicht mehr antun.

Im Grunde ist alles auf meinem Mist gewachsen, ich war einfach fixiert von dieser Idee. Der Unternehmensberater hatte mich ja gewarnt, dass die Kosten sehr hoch sind, ich wollte es nicht hören. Und als die Eigentümerin ihre Bilanzen nicht hergezeigt hat, da hätte ich ja schon sagen müssen, so nett es wäre, aber dann lassen wir es. Aber ich war so fixiert auf das Lokal, es hat mir so gefallen und ich wollte es schaffen.

Mit den damaligen Ereignissen hab ich so ein bisschen das Grundvertrauen in die Welt verloren. Da gibt es Szenen, die haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Dem Bankdirektor hatte ich einfach vertraut. Ich bin ja immer zu ihm rübergegangen und er hat das alles immer wieder genehmigt, jedes Budget und jede Investition. Heute würde ich jedem Gründer oder Unternehmer raten, sich nicht zu sehr von anderen abhängig zu machen, von Banken oder Geschäftspartnern. Die drehen dir das Gas ab und dann will keiner mehr was von dir wissen. Schau, dass dein Erfolg nicht mehr als zu 50% von anderen abhängt, oder besser: schau, dass dein Erfolg zu 90% von dir abhängt, die restlichen 10% kann man gut sein lassen.

Unternehmer müssen immer ein Risiko eingehen, so ein bisschen braucht man schon dieses irgendwie wird es schon gehn, sonst müsste man es gleich bleiben lassen. Aber heute sag ich, da brauch ich Kapital im Hintergrund, ich muss auch einmal schlechte Zeiten überleben können. Wenn ich mir heute anschau, wie da die Zinsen geprasselt sind, spätestens da merkt man, da muss man etwas tun, weil sonst ist es vorbei. Heute weiss ich, ich hätte mich selber am Krawattl nehmen müssen und sagen, ok, hau die Bremse rein! Aber wer ist schon so vernünftig?

Mein Verhältnis zu Geld und zu Banken hat sich natürlich massiv verändert. Wenn man im Privatkonkurs ist, bekommt man ohnehin nur ein Konto ohne Überziehungsrahmen, ich bin immer im Plus. Ich reagier schon allergisch, wenn sie mir eine Bankomatkarte geben wollen und ich bücke mich heute um jedes Zehnerl. Wann immer es möglich ist, handle ich Prozente heraus, dafür bezahle ich auch immer bar. Und wenn es ein Skonto gibt, dann nutze ich das. Auf solche Dinge hab ich früher kaum geachtet, aber das ist alles mein Geld. Ich habe zum Beispiel kein Auto, aber Dinge, die mir wichtig sind, kann ich mir leisten. Für die Wohnung zum Beispiel oder auch Urlaube. Und ich weiss, dass ich den richtigen Weg gegangen bin, obwohl, schiach war es mir damals schon, als wir den Privatkonkurs angemeldet haben.

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