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In den Konkurs expandiert

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Mitte der 1990er gründet Stephan gemeinsam mit einem Partner eine GmbH. Vier Jahre später wurde er wegen fahrlässiger Krida verurteilt.

Ich habe eine kaufmännische Lehre gemacht, dann war ich im Autohandel, dann im Elektrohandel. Zuerst war ich Einkäufer, also da habe ich schon kalkulieren gelernt, Deckungsbeiträge errechnen und so. Später bin ich in den Außendienst gewechselt und habe auch Erfahrungen in der Vermarktung gesammelt. Also soweit hatte ich damals geglaubt, dass ich mit meiner Ausbildung und Berufserfahrung auf eine Selbständigkeit gut vorbereitet wäre.

Den Wunsch nach einer eigenen Firma und einen gewissen Geltungsdrang hatte ich schon immer. Mit einem Partner habe ich dann eine GmbH gegründet. Den kannte ich schon ca. 15 Jahre, also da war das Vertrauen da und wir haben uns gut ergänzt. Zuerst haben wir nebenberuflich begonnen, haben Geschäftskontakte aufgebaut. Ich hatte viele Kontakte in der Branche, trotzdem war es nicht einfach, diese Geschäftsverbindungen aufzubauen, aber letztlich hat es geklappt. Ein großer Vertrag mit einem Produzenten von Haushaltswaren brachte den entscheidenden Aufschwung, wir wurden Generalimporteur für Österreich. Wir haben kleinere Händler und auch die großen Ketten mit Kleingeräten für den Haushalt beliefert, Küchenmaschinen, Staubsauger usw.

Also 1995/ 96 hatten wir den großen Durchbruch, bis zum großen Einbruch war es nicht weit. Damals in der Gründungsphase hatte ich einfach den Weitblick nicht, ich hatte nicht gedacht, dass etwas passieren kann und welche Konsequenzen das hat. In Wahrheit hatten wir zuviel Risiko genommen und es ist dann auch schief gegangen, mit allem Drum und Dran.

Umsatz und Schulden erreichen ungeahnte Höhen

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Stephan ist von den steigenden Umsätzen begeistert. Mit der Zwischenfinanzierung wird es aber immer enger.

Wir waren im Aufschwung, mit anderen Worten, von 1,2 Mio. ATS Umsatz im ersten Geschäftsjahr sind wir im zweiten Jahr auf einen Umsatz von 14 Mio. ATS hochgefahren. Das hört sich aufs erste ja einmal gut an. Aber unser eigentliches Problem wurde schnell klar: wir hatten viel zu wenig Eigenkapital, denn steigender Umsatz bedeutet, dass ich immer größere Summen zwischenfinanzieren muss. Erschwerend ist dazugekommen, dass die großen Unternehmen sehr lange Zahlungsziele hatten, 90 Tage waren üblich. Bei den kleinen Händlern kämpften wir mit der Zahlungsmoral.

Also pilgerte ich regelmäßig zur Bank weil wir einen immer größeren Rahmen brauchten. Mein erster Rahmen war 300.000 ATS, der reichte bald nicht mehr und was machte die Bank? Die 300.000 wurden auf einen Investitionskredit umgeschuldet und ich hatte wieder einen Rahmen von 300.000. Aber so schnell konnte ich gar nicht schauen, war der Rahmen schon wieder ausgeschöpft. Und das ist mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit immer so weiter gegangen. So wie die Umsätze in die Höhe geschnellt sind, so schnell sind die Schulden bei der Bank gestiegen. Auf einmal hatte ich 2,1 Mio ATS Verbindlichkeiten auf dem Konto und 2 Mio ATS Kredit, weil in Wahrheit hat das alles ja schon nicht mehr zusammengepasst. Ich hatte alleine pro Quartal 70.000 ATS Zinsen zu zahlen und damit kämpfte ich bald, an eine Kapitalrückführung war gar nicht zu denken.

Zuvor hatte ich in großen Unternehmen gearbeitet und war es gewohnt, in großen Mengen und großen Summen zu denken. Ich hatte also eine Art Industriedenken, nur passte unsere Eigenkapitalausstattung nicht dazu. In meiner Naivität wollte ich das damals nicht sehen, in Wahrheit war die Expansion viel zu schnell. Ich dachte, ich schaff das auch so und mein großer Denkfehler war, dass ich bei der Bank umso besser dastehe, je mehr Umsatz ich mache. Das stimmte aber so nicht, im Gegenteil sind sie immer mehr auf die Bremse gestiegen.

Und ich hatte Blut geleckt. In unserem Vertrag waren nämlich bestimmte Schwellenwerte bei den Umsätzen festgeschrieben, also wenn ich diesen oder jenen Umsatz mache, dann gibt es bestimmte Zuckerl. Darauf wolle ich nicht verzichten, also das waren bessere Einkaufsbedingungen und Anteile an Werbekosten. Also versuchte ich den Umsatz immer höher und höher zu treiben, gleichzeitig sperrte sich die Bank bei den nötigen Zwischenfinanzierungen immer mehr.

Da muss es etwas geben, dachten wir uns, irgendwie muss das doch möglich sein. Also sind wir auf Factoring gekommen. Die Bevorschussung durch die Factoring-Bank hat natürlich eine gewisse Entspannung gebracht. Nur kostet das auch wieder Geld und drückte damit auf die Spanne. Wir hatten immerhin acht Beschäftigte und eine Lagerhalle mit einem ziemlich hohen Warenumschlag. Da muss alles passen, aber in Wahrheit lief es schon sehr bald nicht mehr rund und der Druck war schon ziemlich hoch.

Anwälte und Richter sind am Wort

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Die Qualitätssicherung funktioniert nicht und Vereinbarungen mit der Herstellerfirma halten nicht.

Dann kam das Problem mit den Ausfallsquoten bei den Produkten dazu. Die Herstellerfirma hatte selbst zugekauft, und wir nahmen vom Hersteller die Ware containerweise ab. Natürlich haben wir Stichproben gemacht, aber es gab immer häufiger Reklamationen, also da passte die Qualitätssicherung überhaupt nicht mehr. Damit kam ein wahrer Teufelskreis in Gang. Das hatte nämlich zur Folge, dass meine Kunden Zahlungen hinauszögerten und zuvor den Umtausch von Waren verlangten. Damit fehlte mir das Geld, die Herstellerfirma zu bezahlen. Die Herstellerfirma weigerte sich aber umzutauschen, bevor die neue Ware nicht bezahlt ist. Also die Katze biss sich in den Schwanz und das ganze Radl kam kräftig ins Stocken.

Das führte zu einem ausgewachsenen Rechtsstreit und es war nicht die einzige Ungereimtheit mit der Herstellerfirma. Die vereinbarten Zuckerl kamen nämlich nie rüber. Alleine bei den Werbekosten warteten wir auf eine beträchtliche Summe. Der Gipfel war dann, dass die Firma behauptete, dass der Vertrag nicht rechtsgültig sei. Der Vertrag wäre nämlich von einer nicht zeichnungsberechtigten Person unterschrieben worden. Ich bin aus allen Wolken gefallen! Gerade deshalb hatte ich ja immer versucht, den Umsatz mehr und mehr hochzudrücken und das war ja auch immer mein Argument gegenüber der Bank. Ich meine, da gab es Verhandlungen, da gibt es einen Vertrag mit Firmenstempel, und dann ist das alles nicht so!

Mein Anwalt sagte, die verklagen wir! Er hat da ziemlich hohe Summen an entgangenem Gewinn usw. ausgerechnet und damit sind wir vor Gericht gezogen. Ich war überzeugt, das gewinnen wir, aber wir sind damit nicht durchgekommen. Der Richter hatte gemeint, ich hätte mich da genauer erkundigen müssen, also über mir ist alles zusammengebrochen. Ich konnte es mir auch nicht mehr leisten, da noch weiter zu prozessieren, in Wahrheit konnte ich mir das alles schon nicht mehr leisten. So großspurig, wie ich da reingefahren bin, musste ich das alles wieder zurückfahren.

Konflikte an allen Ecken

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Zu den Differenzen mit der Herstellerfirma kommen Konflikte mit dem Partner. Die Ehefrau erfährt von Dritten, dass Stephan bereits schwer verschuldet ist.

Mein Partner und ich, wir hatten jeder 50% Anteile, obwohl vom Kapital hatte ich das Meiste eingebracht. Er hatte in einigen Bereichen viel Erfahrung, also für mich hatte das damals in der Gründungsphase trotzdem gepasst. Heute würde ich sagen, wenn ein Partner finanziell nichts einbringt, dann kann er zu Hause bleiben, das muss auch unter dem finanziellen Aspekt gleichwertig sein.

Natürlich hat es zwischen uns auch Diskussionen gegeben, besser gesagt Streitgespräche. Ich habe eine ganz andere Linie eingeschlagen wie er, ich habe bis zum letzten Atemzug gekämpft. Er hatte schon sehr bald das Gefühl, dass sowieso alles verloren ist oder hat etwas ganz anderes gemacht. Also wir hatten einige Interessenskonflikte. Er hat sich relativ bald völlig aus dem Geschehen zurückgezogen und ich hatte das Gefühl, ich steh da ganz alleine am Schlachtfeld und mir war das alles auch schon zuviel. Wir hatten keine gemeinsame Strategie mehr, wir hatten überhaupt keine Strategie mehr.

Meine Frau wusste von all diesen Schwierigkeiten nichts. Ich wollte sie nicht belasten, aber ich war auch nicht mehr fähig zu kommunizieren, ich war eigentlich völlig sprachlos. Ich hab überhaupt nichts erzählt und alles in mich hineingefressen. Im Gegenteil, je prekärer die Lage wurde, umso mehr habe ich noch versucht, das alles zu beschönigen und mit mehr Luxus zu kaschieren.

Praktisch die gesamte Familie meiner Frau und auch sie selbst arbeiten im Bankenbereich, zum Teil in leitenden Funktionen. Also da gab es für Menschen, die Schulden machen, wenig Verständnis, das war ihnen völlig fremd. Der Exmann meiner Frau war in meiner Hausbank beschäftigt und der hat dann einmal meine Konten eingesehen und dann gleich meine Frau verständigt, dass ich bereits einige Millionen Schilling an Schulden hatte. Damit war das Vertrauen natürlich völlig weg, ich hatte sie angelogen.

In der Ehe gab es dann natürlich auch massive Konflikte. Meine Frau hatte eine sehr enge Beziehung zu ihrer Familie und die haben ihr natürlich alle nahegelegt, sich schleunigst von mir zu trennen, also nach dem Motto: Sei gscheit Mädel, du hast was Besseres verdient. Ich wollte dann auch selbst nicht, dass sie da tiefer mit hineingezogen wird, dass der Exekutor vor ihrer Tür steht. Also haben wir uns scheiden lassen.

Nur mehr Schulden und dann musste ich nach der Scheidung innerhalb von zwei Wochen ausziehen. Ich selbst hatte keine Verwandten mehr, der Freundeskreis schrumpft in solchen Zeiten auch auf sehr handliche Größen zusammen, also da wurde es schon sehr eng. Das war dann 1998, da ist es dann Schlag auf Schlag gegangen, ich hatte fast keine Verschnaufpause. Das war ein Ablauf in dieser Situation, das war ein Wahnsinn.

Konkursantrag abgewiesen, Kridaverfahren eröffnet

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Die Gründung einer zweiten Firma soll die Rettung bringen. Inzwischen beantragt die Gebietskrankenkasse bereits den Konkurs.

Dann hat die Gebietskrankenkasse den Konkurs angemeldet und das ist für mich noch schlimmer ausgegangen als ich mir hätte vorstellen können. Nachdem die Situation schon immer verfahrener wurde, hatte ich eine zweite Firma gegründet, mit der wollte ich noch einmal neu durchstarten, den Karren herumreissen. Die Vermögenswerte, die in der alten Firma noch vorhanden waren, also vor allem Ware, habe ich zur neuen Firma transferiert. Ich war dann auch viel im Ausland unterwegs um Verträge mit anderen Herstellern an Land zu ziehen. Da hat es dann kurzfristig so ausgesehen, als ob das klappen würde, aber es war ein Schuss in den Ofen, in Wahrheit war der Zug längst abgefahren.

Der Konkurs wurde sofort mangels Masse abgewiesen, in der alten Firma war ja kein Vermögen mehr vorhanden, das war ja praktisch nur mehr eine leere Hülse. Viel schlimmer war, dass ein Verfahren wegen fahrlässiger Krida gegen mich eingeleitet wurde, außerdem hat einer der Gläubiger eine Betrugsanzeige eingebracht. Ich wurde wegen Konkursverschleppung schuldig gesprochen und wurde zu 15 Monaten Haft - allerdings bedingt - verurteilt. Ich empfand das persönlich als sehr ungerecht, ich hatte bis zum Schluss wie der letzte Ritter gegen die Windmühlen gekämpft und fühlte mich dafür bestraft. Vor mehr Schaden hatte mich bewahrt, dass ich zuvor bereits den Privatkonkurs eingeleitet hatte. Ich hatte alle Schulden auf mich genommen und auch eine vollständige Gläubigerliste vorgelegt.

Bis dahin kreisten alle Gedanken nur darum, wie ich das Unternehmen wieder flott kriegen kann. Dabei hab ich überhaupt nicht beachtet, dass ich mich in dieser Situation auch um meine persönliche Schadensbegrenzung hätte kümmern müssen. Eine GmbH schützt den Geschäftsführer in Wahrheit nicht, das ist ein großer Irrtum. Ich kann nur jedem Unternehmer raten, rechtzeitig Schluss zu machen damit er nicht letzten Endes im Kriminal landet. Die fahrlässige Krida in dieser Art wurde ja inzwischen abgeschafft, aber das Risiko unterschätzt man leicht.

Beratung hatte ich mir damals keine organisiert. Ich hatte das Geld nicht mehr und ich wollte auch niemand anderen hineinholen. Frei nach dem Motto: wie soll der schon wissen, wie?s mir geht und was soll der schon wissen, was ich nicht weiss. Das war auch der falsche Stolz. Ich wollte niemanden haben, der mir sagt, das ist alles in Wahrheit eh schon konkursreif, also davon wollte ich nichts hören. Der Steuerberater hatte bilanztechnisch noch gemacht was möglich war, aber das hilft auf die Dauer ja auch nichts. Immerhin sind wir mit 4,6 Mio Schilling in den Konkurs geschlittert.

Die Existenzbasis: wo wohnen, wo arbeiten?

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Nach der Scheidung droht die Obdachlosigkeit, für den Privatkonkurs muss Stephan ein regelmäßiges Einkommen nachweisen.

Ich hatte völlig die Kontrolle verloren, ich wusste nicht mehr, wie mir geschieht. Zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich an Selbstmord. Ich dachte, es ist alles vorbei. Kein Einkommen, das Konkursverfahren war voll im Laufen, nach der Scheidung stand ich am Rande der Obdachlosigkeit. Mein Antrag auf Arbeitslosengeld wurde abgelehnt, weil ich noch als erwerbstätig eingestuft wurde und daher bekam ich auch keine Wohnung von der Gemeinde. Ein letzter guter Freund war mir geblieben.

Mit seiner Hilfe hatte ich das Wohnungsproblem über Umwege gelöst. Er hatte mich in Miete genommen, natürlich habe ich keine Miete bezahlt und daraufhin hat er mich delogiert. Mit dieser Delogierung konnte ich nun zur Gemeinde gehen und bekam tatsächlich eine kleine Wohnung mit 21 Quadratmeter, in der wohne ich bis heute.

Mein erster Anlauf beim Privatkonkurs ging nicht durch. Damals musste man noch Einkommen nachweisen und das konnte ich noch nicht. Also brauchte ich dringend einen Job. Es war klar, dass ich im Elektrohandel keine Chance hatte, mein Fall war viel zu bekannt und der Vertrauensverlust zu groß. Also versuchte ich es wieder im Autohandel und schickte Blindbewerbungen los. Ich bekam relativ rasch meine erste Chance, das Bewerbungsgespräch lief gut und dann musste ich den Personalbogen ausfüllen. Da gab es die Frage, ob Exekutionen zu erwarten sind. Ich wollte nicht lügen, aber traute mich auch nicht, die volle Wahrheit hinzuschreiben, also schrieb ich aus heutiger Sicht nicht.

Ich bekam den Job und damit war ich beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger gemeldet und die Gläubiger erfuhren, dass ich wieder ein Einkommen hatte. Es dauerte also nicht lange, bis bei meinem Chef der erste eingeschriebene Brief einlangte. Als dieser Tag kam schaffte ich es noch, mit ihm ein Gespräch unter vier Augen zu vereinbaren, bevor er den Brief öffnen konnte. Ich sagte ihm, wie die Sache stand und dass ich dabei war, die Schulden zu regulieren. Darauf meinte er, ihm ist das nur recht. Ich werde sicher zuverlässig zur Arbeit kommen und gut verkaufen, schließlich brauche ich das Geld dringend. Das hätte sicher auch anders ausgehen können, da hatte ich Glück. Seit sieben Jahren bin ich jetzt bei der Firma, die Kollegen wissen alle um meine Vergangenheit.

Nun brachte ich auch den Privatkonkurs durch. Die Bank war Hauptgläubiger, ich kam in das Abschöpfungsverfahren. Ein Zahlungsplan wäre natürlich besser gewesen, aber ich kann auch mit der Abschöpfung leben. Die Leute glauben ja immer, dass das Existenzminimum eine fixe Summe ist, aber das ist in einem gewissen Rahmen ja auch variabel. Also wenn ich mehr verdiene, bleibt mir auch ein bisschen mehr. Inzwischen bin ich im letzten Jahr, die 10%ige Quote habe ich bereits erfüllt.

Wieder die Freiheit, zu wählen

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Das Ende des Privatkonkurses ist in Sicht und inzwischen hat Stephan eine Ausbildung als Lebens- und Sozialberater begonnen.

Man lernt durch solche Ereignisse, dass Geld nicht das Wichtigste ist. Ich musste mein Fixkosten natürlich so gering wie möglich halten. Ich habe es trotzdem geschafft, eine Ausbildung zu starten, und zwar zum Lebens- und Sozialberater am WIFI. Das ist für mich auch eine Möglichkeit, das Geschehene aufzuarbeiten, deshalb habe ich mich auch zu diesem Interview entschlossen. Die Gefühlsebene schwingt schon noch immer mit. Heute geht es mir viel besser, aber ich weiss noch ganz genau, wie es mir damals gegangen ist und eine solche Zeit möchte ich nicht mehr erleben. Das Selbstwertgefühl ist da völlig auf Null gedrückt.

Mein Privatkonkurs geht dem Ende zu, trotzdem holt es einen immer wieder ein. Ich hatte damals alle möglichen Banken abgeklappert, niemand wollte mir mehr ein Konto geben, auch ohne Überziehungsrahmen. Nur durch einen persönlichen Kontakt hat das letztendlich geklappt. Manchmal ist es mit dem Geld schon sehr knapp, da spüre ich wieder, wie die Existenzängste hochkommen. Inzwischen habe ich den dritten Geschäftsführer, jedesmal muss ich wieder erklären wie meine Situation ist. Das ist schon mühsam, aber auch da gibt mir die Ausbildung Halt.

Ein Jahr muss ich noch durchziehen, aber langsam bekomme ich wieder das Gefühl, eine Wahlfreiheit zu haben. Mit Lebens- und Sozialberatung werde ich nie genug verdienen können, das wird wahrscheinlich ein zweites Standbein werden, Krisenintervention wäre sicher mein Thema. Vielleicht schließe ich noch eine Trainerausbildung an, und auch meine Firma ist groß genug, dass es hier noch Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Ich bin jetzt 41 Jahre alt, da ist noch vieles möglich.

Manchmal habe ich Jungunternehmer als Kunden. Wenn Sie dann einen schicken Wagen ausgesucht haben und einen Leasingvertrag unterschreiben wollen, dann sag ich schon Ist Ihnen klar, worauf Sie sich damit einlassen. Können Sie die monatlichen Raten dann wirklich aufbringen? Da hab ich einfach meine eigenen Erfahrungen im Kopf. Ich denke überhaupt, gründen sollte man nie aus einer Notlage heraus. Wenn da nicht genug Eigenkapital da ist, um einige Zeit daraus leben zu können und dann noch eine Reserve für den Fall des Falles zu haben, dann würde ich die Finger davon lassen. Wenn jemand selbständig wird, weil er schon dringend Geld braucht, ich glaube nicht, dass das gutgehen kann.

Der richtige Einstieg und der rechtzeitige Ausstieg, wenn es nicht mehr geht, das ist das Um und Auf. Bei mir hat beides nicht geklappt. Ich wollte nicht sehen, dass wir für die Art von Unternehmen, wie ich es wollte, viel zu wenig Eigenkapital hatten. Das war der erste Kardinalfehler. Und dann wollte ich nicht sehen, dass ich Schluss machen muss. Das war der zweite Kardinalfehler, der mir sogar eine Vorstrafe eingebracht hat.

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