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Ich brauche neue Ideen - Warten auf die Inspiration?

Die Kunden werden immer weniger, der Umsatz siecht dahin? Es fehlt die Idee für einen Unternehmensstart? Neue Ideen wären notwendig - aber mit der Inspiration hapert es?

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Inspiration, das hat man oder man hat es nicht - so eine gängige Meinung. Von Künstlern und KünstlerInnen weiß man, dass sie dieses gewisse Etwas haben, dass sie Inspiration brauchen. Über Künstler ranken sich auch alle möglichen Mythen und Anekdoten, wie sie ihrer Inspiration auf die Sprünge helfen und dafür sorgen, dass sie von der Muse geküsst werden. Drogen jeglicher Art, obskure Selbsterfahrungstrips, … Pablo Picassos Aussage wirkt im Vergleich dazu geradezu nüchtern und banal:

»Die Inspiration existiert, aber sie muss dich bei der Arbeit finden.«

Aber wie ist das bei Unternehmern und Unternehmerinnen? Richard Branson sagt von sich selbst, dass er nie auf der Suche nach Inspiration und Motivation ist. Er hat viel Energie und steht eher vor dem Problem, dass er sich gelegentlich selbst einbremsen muss, weil die Ideen sonst mit ihm durchgehen.

Lesetipp: Like a Virgin: Erfolgsgeheimnisse eines Multimilliardärs*

Der kann ja leicht reden, werden Sie jetzt vielleicht sagen, der scheffelt mit seinem Mischkonzern »Virgin Group« Milliarden. Ich gebe Ihnen recht, er hat leicht reden, denn Menschen wie Richard Branson sind quasi von einem kreativen Umfeld geradezu umzingelt. Und das ist kein Zufall. Er gilt als aufgeschlossen und kommunikativ, heute kommen täglich Menschen mit Ideen zu ihm in der Hoffnung, in ihm einen Mitstreiter zu finden.

Neue Ideen brauchen ein günstiges Umfeld

Neue Ideen schweben also nicht so einfach im stillen Kämmerlein daher und sie fallen uns nicht einfach auf den Kopf wie seinerzeit die Äpfel bei Isaac Newton. Der Baum will geschüttelt werden. Inspiration braucht ein günstiges Umfeld und das können wir uns schaffen.

Inspiration braucht die kontinuierliche Beschäftigung mit einer Sache oder einem Thema.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Alltag: Kochen. Wenn Sie regelmäßig und mit Freude kochen, dann können Sie praktisch aus allen Zutaten, die Sie im Kühlschrank haben, ein Gericht zaubern. Einfach weil Sie Übung darin haben und weil Sie wissen, wie man Zutaten kombinieren kann. Wenn Sie jedoch nie kochen, dann werden Sie vor den gleichen Zutaten stehen und keine Idee haben, wie Sie daraus ein wohlschmeckendes Gericht zubereiten können. Ist der Hunger groß genug, werden Sie vielleicht alles wahllos in einen Topf werfen, verzweifelt nach einem Fertiggericht im Küchenvorrat suchen oder den Lieferservice anrufen. Sie essen, was Sie immer essen, mit Inspiration und Ideen hat das nichts zu tun.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel Isaac Newton. Angeblich ruhte er unter einem Baum als er durch das Herunterfallen eines Apfels auf die weltbewegende Idee kam, dass es die Gravitationskraft geben könnte. Lassen wir einmal beiseite, ob es sich wirklich so zugetragen hat. Der Punkt ist: Isaac Newton hatte sich sein Leben lang mit den Naturwissenschaften und der Philosophie beschäftigt. Nur deshalb konnte er in etwas so Banalem wie einem herunterfallenden Apfel etwas erkennen, das bei anderen nicht einmal ein Achselzucken auslöste.

Inspiration braucht aufmerksames Tun

Inspiration braucht das Tun, die Aktivität. Das Durchblättern von Kochbüchern hilft, das Ansehen von Kochshows kann helfen. Aber niemand wird dadurch ein kreativer Koch. Durch das Tun entstehen neue Fragen, neue Anknüpfungspunkte, neue Versuche und neue Lösungen, nicht durch das Zusehen. Zuerst kommt die Transpiration, dann die Inspiration.

Inspiration braucht das soziale Umfeld

Gerade für Unternehmer und Unternehmerinnen gilt: Inspiration braucht ein soziales Umfeld, Begegnungen mit Menschen, den Austausch mit Menschen. Als Unternehmer oder Unternehmerin wollen sie nicht nur für sich alleine kochen, sie wollen, dass es auch anderen schmeckt.

Inspiration entsteht nicht im Vakuum, nicht in der Isolation, nicht im stillen Kämmerlein. Sie entsteht in der Auseinandersetzung mit unserer Umwelt, mit unseren Kunden oder mit Menschen, die unsere Kunden werden sollen. Sie können auch durch Diskussionen mit anderen Selbständigen entstehen, beim Tratsch mit dem Nachbarn oder durch das Lesen eines Buches.

Unsere Gehirnzellen brauchen Futter und dieses Futter sind Eindrücke und Beobachtungen. Das ist wie mit dem Essen. Führen wir unserem Körper keine Nahrung zu, bauen wir an Substanz ab. Bekommen unsere Gehirnzellen kein Futter, dann haben sie nichts, das sie zu neuen Ideen verarbeiten können. Dann führen auch Kreativitätstechniken wie Brainstormings oder freies Assoziieren ins Leere. Das Blatt Papier wird mit großer Wahrscheinlichkeit leer bleiben.

Warum fehlen uns die Ideen?

Womöglich waren Sie jahrelang in einem Job, in dem die Routine dominierte und neue Ideen vielleicht sogar als störend empfunden wurden. Schlimmer noch, wenn neue Ideen regelmäßig mit »das haben wir schon immer so gemacht« abgewürgt wurden. Oder Sie sind selbständig und ihr Unternehmen lief jahrelang gemütlich dahin. Sie hatten Ihre Stammkunden, die wollten immer das gleiche und das haben Sie auch geliefert. Lief ja auch so ganz gut, warum unnötigen Stress machen?

Dann schlummern ihre kreativen Gehirnzellen friedlich vor sich hin, sie wurden gewissermaßen sediert. Sie müssen erst wieder einmal daran gewöhnt werden, dass sie nun aktiv werden sollen. Es ist wie mit einem Kopfstand. Wenn man seit der Schulzeit nie einen Kopfstand gemacht hat, dann wird er nicht auf Anhieb gelingen. Wenn man täglich ein bisschen übt, hat man das bald heraus.

Wie finde ich Ideen?

Eine nützliche Leitlinie sind die drei Grundtechniken menschlicher Interaktion: das Fragen, das Zuhören und das Beobachten.

  • Neue Ideen durch Fragen

Bei den Fragen hält man sich am besten an die sogenannten W-Fragen, also zum Beispiel: Was, Wer, Wo, Wie? Ich persönlich vermeide die Fragen Weshalb und Wieso. Sie verleiten die Menschen dazu, Begründungen zu suchen und zu finden, manchmal fühlen sie sich sogar dazu genötigt, sich zu rechtfertigen. Die Antworten bringen dann selten mehr Klarheit und können uns schlimmstenfalls sogar auf die falsche Fährte führen.

Wenn ich frage: »Wie machst du das genau? Wann machst du das immer?« oder »Bei welchen Gelegenheiten brauchst du diese oder jene Dienstleistung?« dann bekomme ich einen viel besseren Eindruck, was diese Menschen tatsächlich tun. Wenn ich zum Beispiel Eltern frage, warum sie die Kinderbetreuung nicht anders organisieren, dann bekomme ich wenig ergiebige Antworten. Wenn ich sie aber frage, wie sie das typischerweise organisieren, wann es Probleme dabei gibt, was sie an der derzeitigen Situation oder Lösung gut finden und worüber sie sich ärgern, finde ich Anknüpfungspunkte.

  • Neue Ideen durch Zuhören

Das Zuhören hört sich leicht an, ist es aber nicht immer. Vor allem, wenn es schon eine konkrete Idee gibt, ist die Gefahr groß, dass wir in Wahrheit nur mehr auf der Suche nach Bestätigung für unsere Meinung sind.

Dafür steht uns ein breites Spektrum an Vorgehensweisen zur Verfügung: Zum Beispiel sprechen wir nur mit Menschen, von denen wir annehmen, dass sie unsere Sichtweise teilen. Wir formulieren die Fragen schon suggestiv, vermeiden bestimmte Fragen völlig oder legen unseren Gesprächspartnern die Antwort in den Mund. Ohne ehrliche Neugier ist es bestenfalls Zeitverschwendung.

  • Neue Ideen durch Beobachten

Wir können nur die Fragen stellen, die uns in den Sinn kommen und Menschen beantworten oft nur das, was man sie fragt. Manchmal geben sie uns Antworten, von denen sie glauben, dass wir sie gerne hören würden oder »dass es sich so gehört«. Das geschieht meist ohne böse Absicht, manchmal wollen sie einfach einen möglichen Konflikt oder unangenehme Erklärungen vermeiden. Oft merken sie selbst nicht, dass ein breites Tal zwischen dem liegt, was sie als wichtig beschreiben und dem, was sie tatsächlich tun. Beobachtungen ermöglichen uns, die Informationen zu überprüfen und unser Bild gegebenenfalls zu korrigieren.

Beim Finden von Ideen ist es wie mit allem anderen: einen ersten Schritt tun, dann ergibt sich meist der zweite und dritte von selbst.

Es wäre schön, wenn ich Sie mit diesem Beitrag inspirieren konnte :)

Online seit: 14.11.2016

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