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Restrukturierung - Sanierung - Turnaround

Wann ist ein Unternehmen ein Fall für eine Restrukturierung, eine Sanierung oder einen Turnaround? Worin unterscheiden sich die Begriffe und worin unterscheiden sich die Maßnahmen?

Stichworte: Krisenmanagement | Liquidität sichern | Liquiditätskrise | Sanierungskonzept | Strategiekrise

Jeder Häuslbauer oder Hauseigentümer kennt das: ist man erst einmal stolzer Hausbesitzer, dann beginnen die laufenden Arbeiten. Dort Dichtungen ausbessern, da den Zaun neu streichen - ständig gibt es Handgriffe, die notwendig sind, um das Haus in Schuss zu halten. Werden diese Wartungsarbeiten nicht regelmäßig durchgeführt, verfällt das Haus und die Substanz wird schrittweise angegriffen. Dann wird meist ein tiefer Griff in die Tasche notwendig.

So ähnlich ist es mit einem Unternehmen. Auch dieses will regelmäßig gewartet werden, sind immer wieder Korrekturen und Verbesserungen notwendig. Werden diese Wartungsarbeiten nicht laufend durchgeführt, dann wird eine Restrukturierung oder gar eine Sanierung notwendig, um den Turnaround zu schaffen.

Restrukturierung ? die Neugliederung innerbetrieblicher Strukturen und Prozesse

Eine Restrukturierung geht über das Ausmaß laufender Anpassungen und Verbesserungen hinaus. Möglicherweise wurde eine Restrukturierung nötig weil diese laufenden, kleineren Korrekturen nicht vorgenommen wurden. Eine Restrukturierung kann aber auch erforderlich werden, um auf größere Veränderungen im Geschäftsumfeld zu reagieren. Restrukturierung setzt kein akutes Krisenszenario voraus und kann auch in (noch) gesunden Unternehmen stattfinden. Üblicherweise werden Restrukturierungen nach Fusionen oder Unternehmenszukäufen notwendig. Es kann auch bedeuten, dass einem unstrukturierten Unternehmen Struktur gegeben wird.

Ziel einer Restrukturierung ist grundsätzlich, künftige Verluste zu vermeiden, Gewinne bzw. Umsätze zu verbessern und eine zukunftsträchtige Positionierung des Unternehmens zu gewährleisten. Eine Restrukturierung kann unterschiedlichste Schritte umfassen wie z.B. die Neugestaltung von Geschäftsprozessen und betrieblichen Strukturen, eine Änderung der Marktausrichtung und/ oder des Produktspektrums, möglicherweise die Implementierung eines völlig neuen Geschäftsmodells oder die Änderung der Rchtsform. Es geht also darum, eine neue Struktur zu finden, und zwar eine tragfähige.

Mit einer Restrukturierung sind in aller Regel tiefere Einschnitte verbunden. Das Abstoßen bestimmter Geschäftszweige oder das Outsourcen von Aufgaben sind daher typische Maßnahmen bei Restrukturierungen. Obwohl eine Restrukturierung nicht grundsätzlich mit Personalabbau verbunden sein muss, ist dies in der Praxis doch häufig der Fall. Bei den Beschäftigten treffen daher Restrukturierungsprogramme selten auf große Gegenliebe.

Sanierung ? wenn das Unternehmen Heilung braucht

Eine Restrukturierung bedeutet die Neugliederung innerbetrieblicher Strukturen und Prozesse. Damit überschneiden sich Restrukturierung und Sanierung denn eine Sanierung braucht auch Restrukturierungsmaßnahmen. Der Begriff Sanierung leitet sich aus dem lateinischen sanare (heilen) ab. Damit drückt sich aus, dass das Unternehmen krank ist und die Sanierung auf die Heilung dieser Erkrankung ausgerichtet ist.

Es geht also um die Existenzerhaltung des Unternehmens und um die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Dabei kommt neben jenen Schritten, die bereits bei der Restrukturierung behandelt wurden, besonders finanzwirtschaftlichen Aspekten große Bedeutung zu. Die finanzwirtschaftliche Sanierung hat die Neugestaltung der Finanzgrundlagen notleidender Unternehmen zum Ziel. Dazu gehören einerseits die Wiederherstellung bzw. Sicherung der Liquidität und andererseits Maßnahmen, die eine bilanzielle Überschuldung vermeiden. Auch wenn die finanziellen Probleme zumeist die drängendsten sind: eine finanzwirtschaftliche Sanierung alleine reicht in aller Regel nicht aus sondern verlängert nur den Leidensweg!

Häufig ist eine finanzwirtschaftliche Sanierung nur mit Hilfe der Gläubiger möglich. Typische Beispiele sind die Stundung von Schulden, Schuldennachlässe, Zinsreduktionen oder beispielsweise der Verzicht auf die Kündigung eines Bankkredits. Eine finanzielle Sanierung richtet sich also einerseits auf einen reduzierten Mittelabfluss, braucht in aller Regel aber auch zusätzliches Kapital in Form von Eigen- oder Fremdkapital.

Eine Sanierung kann außergerichtlich oder auch auf gerichtlichem Wege erfolgen. In Österreich kommt dem Zwangsausgleich als gerichtliches Sanierungsinstrument hohe Akzeptanz zu. In Deutschland setzt sich das Insolvenzplanverfahren als gerichtliches Sanierungsverfahren erst langsam durch.

Turnaround ? Umschwung und Aufschwung

Der Begriff Turnaround wird gerne in der angelsächsischen Literatur verwendet. Unter Turnaround wird zumeist ein Umschwung verstanden, der ein Unternehmen von einem negativen Entwicklungspfad wie z.B. sinkende Umsätze oder sinkende Marktanteile, in einen positiven Pfad überleitet. Ein Turnaround-Prozess setzt noch keine Sanierung voraus, einer Sanierung muss allerdings der Turnaround gelingen.

Online seit: 23.11.2009

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