Leben mit der Krise
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Alles auf eine Karte gesetzt

Eigentlich hat im Jahr 1991 Herberts Bruder den Gewerbeschein angemeldet, EDV Hard- und Softwaresupport. Herbert selbst kannte sich im Hardwarebereich aus, sein Bruder entwickelte

Stichworte: Branchen: EDV, IKT | Controlling | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Teamgründung

Ich hab meinen Job aufgegeben und ich bin mit einer sehr satten Abfindung ausgestiegen. Ich hab mich beworben bei verschiedenen Firmen, aber ich bin angestanden, weil ich für mein Alter bereits eine sehr hohe Position hatte und eher teuer war. Und die Situation war so, dass mein Bruder zurück nach Wien wollte. Er hatte in seinem Job viel gelernt, und in der Zwischenzeit bereits begonnen, für einen befreundeten Arzt ein Programm zur Patienten- und Praxisverwaltung zu schreiben und das hat sich recht gut angelassen.

Und mein Vater hat davon geträumt wie toll es wäre, wenn wir miteinander etwas starten würden. Der Vater war Finanzbuchhalter in Pension, aber körperlich sehr robust. Und da war die Idee, mein Bruder arbeitet seine Software weiter aus, ich hau meine Abfertigung rein und der Vater kümmert sich um den Papierkram.

Mein Bruder hat 1991 den Gewerbeschein für EDV gelöst und das war an und für sich die ursprüngliche Konstellation. Ich hab Räumlichkeiten gefunden und begonnen, sie zu renovieren und ziemlich viel investiert. Am Anfang hat es ganz gut geklappt, aber dann hat es bei der Software erste Verzögerungen gegeben. Es wurden daneben auch schon einige andere Software-Aufträge an Land gezogen, aber die Ärzte-Software hätte das Rückgrat sein sollen. Ich hab in meinem Job vorher gelernt, mit Kunden umzugehen, ich war auf Messen, ich hab gelernt aufzutreten und solche Dinge. Ich hätte den Verkauf übernehmen sollen und den technischen Teil, also die Installation beim Kunden, die Hardware dazu etc.

Bei der Finanzverwaltung ist das mit dem Vater nicht so gelaufen er hat sich dann ziemlich rasch zurückgezogen, nach dem Motto "Macht einmal soweit wie ihr kommt und dann komm ich eh." Er hat sich dann zurückgezogen auf das Nachwassern. Am Anfang ist mir auch nicht ganz klar, wie problematisch der Zustand wird, wennst nicht jemanden hast der konstant die Rechnungen kontrolliert und schaut, wieviel ist wirklich rausgegangen. Mein Bruder war mit der Software-Entwicklung vollauf beschäftigt, ich hatte auch viel um die Ohren, die Verwaltung kam immer zu kurz.

Er hat uns schon beraten, aber das praktische Hinsetzen hat gefehlt, immer schauen und gleich die Rechnungen rausschicken - das heisst, dass es dort immer bröselt. Zum Teil hab ich versucht das zu übernehmen. Und dann mit Billigkräften, aber wie heisst es: "If you pay peanuts, you get monkeys." Ich will nicht bösartig werden, aber wenn du gute Leute haben willst mit Qualifikation, dann musst du sie auch bezahlen und das Geld hatten wir nicht mehr.

Weiterlesen:

Kap. 1: Alles auf eine Karte gesetzt

Kap. 2: Ein kranker Bruder

Kap. 3: ... und dann setzte ich alles auf eine Karte

Kap. 4: Ein Freund - der rettende Strohhalm?

Kap. 5: Der erste Schritt zurück in den Arbeitsmarkt

Kap. 6: Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?

Kap. 7: Mut zur Ehrlichkeit

Online seit: 28.07.2003

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