Leben mit der Krise
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Das Angebot einer guten Freundin

>> Mit wehenden Fahnen gekündigt

Obwohl Helene bereits für Kredite ihres Mannes bürgt, bekommt Sie von der Bank Geld.

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familie und Beruf | Teamgründung

Ich hab bei meiner Firma mit wehenden Fahnen gekündigt - weil ich mach mich ja selbständig. Ich bin auf die Bank gegangen und hab gesagt ich brauch noch einmal 250.000 Schilling. Die Sache war damals so: Mein Exmann hatte die Ansicht, wenn ich etwas haben will, dann nehm ich mir dafür einen Kredit auf, also darauf sparen ist für ihn nicht in Frage gekommen. Und ich hab natürlich schön brav mit unterschrieben. Aber in Zeiten von "Anna, den Kredit hamma" ging das relativ leicht und schnell.

Also damals, Anfang 90, war ich vielleicht 25 Jahre alt und hab schon für Kredite von über 400.000 Schilling gebürgt. Trotzdem hab ich das Geld anstandslos bekommen. Heute sag ich, die Bank hätt schon damals nicht zustimmen dürfen. Der Steuerberater ist mir schon die ganze Zeit in den Ohren gelegen, dass sich das Alles nicht ausgeht, aber ich hab alle Warnungen in den Wind geschlagen. Und am Anfang war ich ja auch noch steuerlich begünstigt, das ist ja dann alles erst später zum tragen gekommen. Ich bin da sehr unvorbereitet reingegangen.

Gerade bei der ersten Unternehmensgründung macht es einen Unterschied, ob man als Angestellte in sowas reingeht, oder ob man aus einer Unternehmerfamilie kommt. Da lernt man schon von den Kinderschuhen an, was es heisst, mit Selbständigkeit zu leben. Das Auf und Ab, einmal sehr viel Geld, weil die Umsätze stimmen, dann aber wieder sehr viele Rechnungen auf einmal. Vor allem, dass das Geld nicht mir gehört sondern es gehört der Firma, das geht mich eigentlich überhaupt nichts an. Und dass ich das Geschäft dementsprechend pflegen muss, und auch rechtzeitig erkennen muss, wo ist der Hund drinnen, was muss ich tun? Eine Freundin von mir, die ist so groß geworden, die hat da eine ganz andere Einstellung dazu.

Aber wenn ich aus der Angestelltenperspektive rauskomm und nicht die Bereitschaft einbringe, mich selbst zu reduzieren, dann kann man ganz sicher nicht erkennen, wo jetzt der gesunde Schnitt nötig ist. Weil das ist doch der Traum, den man hat und den will man unbedingt weiterhaben. Man kann dann nicht loslassen, aber dadurch wird es auch nicht möglich, eine neue Perspektive zu entwickeln.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Angebot einer guten Freundin

Kap. 2: Mit wehenden Fahnen gekündigt

Kap. 3: Der Griff in die Kassa

Kap. 4: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

Kap. 5: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Kap. 6: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

Kap. 7: Wieder gehen gelernt

Online seit: 29.07.2003

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