Leben mit der Krise
unternehmer-in-not.at

StartseiteErfahrungsberichteDas Angebot einer guten FreundinMit voller Wäsche rein in die Schulden.

Das Angebot einer guten Freundin

>> Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Das Geschäft wird aufgegeben, die Trennung von der ehemals guten Freundin erfolgt in Unfrieden. Und die Schulden bei der Bank werden nicht weniger.

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familie und Beruf | Teamgründung

Mit meiner Freundin über bessere Konditionen zu reden, da war ich mir zu gut dafür. Aber dann hab ich bei ihr auch schon Schulden gehabt und sie hat angefangen mich zu erpressen. Entweder ich bezahle oder sie nimmt sich die Ware und ich verlass das Geschäft. Ich hab es damals als Erpressung empfunden. Andererseits, wenn einmal jemand sechs Monate die Miete nicht bezahlt, ist das die Konsequenz.

Nach ungefähr zweieinhalb Jahren war Schluss. Ich hab mich zum Gehen entschlossen und hab mir da auch Unterstützung von einer Anwaltskanzlei genommen, damit das alles rechtens vor sich geht. Sie hat wahrscheinlich nicht geglaubt, dass ich es wirklich tu. Es wurde nämlich schriftlich ein Übergabetermin vereinbart und sie ist gar nicht gekommen. Ich hab auch noch versucht, die teure Kundenstockablöse einzuklagen, aber aufgrund des Vertrags ist das nicht gegangen.

Auch davor hatte mich der Steuerberater von Anfang an gewarnt, aber ich hab voll auf dieses freundschaftliche vertraut. Heute denke ich, gerade eine gute Freundschaft sollte es vertragen dass man sagt, nehmen wir uns einen Zettel und schreiben wir drauf, was ist, wenn das Ganze in die Hose geht. Ich glaube, dass es sehr viel Ordnung schaffen würde und von Vertrauen zeugen würde, wenn man es genauso tut. Weil dann kann man sagen, ok, wir finden einen Weg auseinander, der auch noch seine Ordnung hat. Viele Leute würden sich sehr viel Kummer und Ärger ersparen.

Man hat in dieser Situation keine Objektivität mehr, alle sind gemein und niemand versteht mich. Die Freundin sowieso, die Banken sind ein Witz, die Arbeitslosen sind der Witz weil die hackeln gar nichts, jedem geht es besser und hat es leichter. Man würd auch Geld woher auch immer nehmen, weil man ja das Ziel hat, das wieder gerade zu rücken. Niemand strengt sich so fürchterlich an wie man selbst im Moment. Und es ist auch so, man hat den dreifachen Stress, man tut auch dreimal soviel wie die Anderen. Nur das Resultat ist gleich Null und das frustet dann nur wieder. Man hat für die ganze Anstrengung nur das Negativerlebnis, dass dabei wieder nichts rausgekommen ist. Und es nutzt auch alles nichts, wenn man sich nicht hinsetzt, ein Blatt Papier nimmt und sich aufschreibt: das alles passt nicht, was kann ich anders machen und sich aus dem Brocken einmal einen Teil herausnimmt und mit dem anfängt. Weil den ganzen Brocken schaff ich nicht auf einmal, aber dann bekommt man das erste positive Erlebnis.

Als Hauptgläubiger ist die Bank geblieben. Im ersten Jahr sind 10.000 Schilling im Monat von unserem gemeinsamen Konto abgebucht worden. Aber bei der Jahresabrechnung waren dann trotzdem mehr Schulden drauf als zuvor, weil die Zinsen schon so ein hohes Ausmaß erreicht hatten. Erst dann bin ich zur Bank gegangen und hab gesagt, entweder keine Zinsen mehr und nur mehr Kapital zurück, oder ich melde Konkurs an. Heute glaube ich, dass das sehr schlecht verhandelt war. Heute denke ich, dass ich einen außergerichtlichen Ausgleich erreichen hätte können. Aber es ist auf 5.000 Schilling im Monat reduziert worden. Jedenfalls, bei den Zinsen kann man immer verhandeln, die haben ja eh schon gut an mir verdient und so kriegen sie wenigstens ihr Kapital noch zurück.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Angebot einer guten Freundin

Kap. 2: Mit wehenden Fahnen gekündigt

Kap. 3: Der Griff in die Kassa

Kap. 4: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

Kap. 5: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Kap. 6: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

Kap. 7: Wieder gehen gelernt

Online seit: 29.07.2003

Seitenanfang

Suche auf www.unternehmer-in-not.at:

Benutzerdefinierte Suche
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen, Angaben zum Haftungsausschluss und zum Datenschutz.
Verwendung von Texten nur mit schriftlicher Erlaubnis