Leben mit der Krise
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Das Angebot einer guten Freundin

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Inzwischen geben sich die Exekutoren die Klinke in die Hand. Die Stimmung in der Familie ist am Nullpunkt und die Freunde werden immer weniger.

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Und dann meine Schwäche, meiner Familie nichts abschlagen zu können und über die Verhältnisse zu leben. Ich hab es tatsächlich nicht auf die Reihe gebracht, uns einzubremsen zum richtigen Zeitpunkt. Dann hat es natürlich auch dementsprechend private Probleme gegeben. Mein Mann hat die klassische Vogel-Strauss-Politik betrieben, er wollte von den finanziellen Problemen nichts wissen. Er war ja der Meinung, dass ohnehin ich an allem Schuld sei. Nur da hab ich dann langsam ein Problem bekommen, weil die Bank hat ja auch seine Kredite fällig gestellt, für die ich gebürgt hatte. Diese Familie war ja bankrott. Und es war ja nicht nur so, dass nur ich gebürgt hätte, sondern auch meine Mutter hat gebürgt. Die zahlt auch bis heute zurück.

Unsere Ehe war ohnehin nicht ideal, aber das hat noch eine Eigendynamik bekommen. Ich glaube ja, dass finanzielle Probleme immer die Beziehung belasten. Und wenn es dann eine eigene Dynamik bekommt, Schulden fällig gestellt werden, der Exekutor in der früh ein und aus geht, dann geht das auch an den Kindern nicht spurlos vorüber. Es war dann auch Gewalt in der Familie ein Thema. Es hat so viele Probleme gegeben, es ist fast nicht auszuhalten, wenn du von allen Seiten gleichzeitig permanent angegriffen wirst. Ich glaub ich hab überhaupt keine Perspektive gehabt, mich finanziell wieder zu orientieren.

Und dann kommt ja der Moment, es ist im Freundeskreis zu beobachten. Man kann nicht mehr so mit, man hat das Geld nicht mehr dazu. Auf einmal ist keiner mehr da. Plötzlich haben sie am Samstag abend keine Zeit mehr, zum Essen zu kommen. Und zählt man dann seine Freunde an einer Hand stellt man fest, da sind noch immer zu viele Finger drauf. Das ist sehr schmerzlich, das ist dann echte Seelenarbeit.

Ohne mich ausreden zu wollen, aber ich denke schon, ich hätte damals einen Partner gebraucht, der schon beizeiten gesagt hätte: "liebe Frau, machen wir einen sauberen Strich unter die Sache." Ich hätt mich zwar mächtig aufgeregt darüber, aber ich glaub, ich hätte es akzeptiert. Ich möchte vermeiden zu sagen, die Bank ist schuld, der Exmann ist schuld, die Freundin ist schuld. Ich hab Jahre gebraucht dazu, dass ich mich vor den Spiegel stellen und sagen konnte: selber schuld. Irgendwann einmal muss man sich hinstellen und zu seiner Person Bezug nehmen. Das kann man aber in dieser Situation nicht.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Angebot einer guten Freundin

Kap. 2: Mit wehenden Fahnen gekündigt

Kap. 3: Der Griff in die Kassa

Kap. 4: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

Kap. 5: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Kap. 6: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

Kap. 7: Wieder gehen gelernt

Online seit: 29.07.2003

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