Leben mit der Krise
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Das Angebot einer guten Freundin

>> Wieder gehen gelernt

Nach der Scheidung beginnt Helene ihr Leben und ihre finanzielle Situation neu zu ordnen. Ein kleiner Schritt nach dem anderen ist ihr Erfolgsrezept.

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familie und Beruf | Teamgründung

Nach der Scheidung war ich endlich in der Lage, meine finanzielle Situation zu ordnen. Heute hab ich schriftlich einen finanziellen Fahrplan für das ganze Jahr. Ich weiss, welche Erlagscheine wann kommen, Schulbeginn und Frühling, da brauch ich mehr Geld für die Kinder. Da seh ich schon ganz genau, wann geht es sich aus und in welchen Monaten wird es eng, wann muss ich also was unternehmen. Heute hab ich das Bedürfnis, die Dinge zu richten. Jetzt mach ich das, was vielen zuwider ist und was ich damals bei meinem Geschäft nicht konnte.

Irgendwann ist ein Erlagschein bezahlt und den leg ich mir irgendwo hin zum Anschauen und dann ist der nächste dran. Sobald man das erste Mal eine Handlung gesetzt hat, hat man eine Last weniger und ein Erfolgserlebnis mehr. Mit den kleinen Portion geht es und dann kriegst langsam eine feste Linie. Dass man sich zum Beispiel mit der Bank geeinigt hat, das ist ein Papier und das zieht sich noch lange, das ist nicht wirklich ein Erfolgserlebnis.

Ich komm mit dem Geld viel besser aus, obwohl ich heute viel weniger verdiene als vor meiner Selbständigkeit. Ich kann nur das Geld ausgeben, das ich am Monat am Konto habe. Und man kann, wenn man einmal nicht zahlen kann, die Gläubiger anrufen und vor allem rechtzeitig anrufen und sagen, bitte das geht sich das Monat nicht aus, ich zahl es auf zweimal. Früher hätt ich die Rechnung liegen gelassen und mir gedacht, in zwei Wochen werd ich eh zahlen können. Und plötzlich zahlt man mehr Zinsen als Kapital zurück. Und wenn mir heute einmal was übrigbleibt, dann denk ich lange drüber nach, was mach ich am besten damit, wie hab ich am meisten davon.

Jetzt konnt ich es mir richten wie ich will, aber das war wie wieder Gehen lernen. Das war ein fürchterlicher Lernprozess, aber mit Unterstützung meiner Mutter und vom Freundeskreis her ist es gegangen. Ich habe heute wieder einen Freundeskreis und langsam bekomme ich auch den Kopf wieder frei für andere Dinge im Leben. Wenn du dich jahrelang nur mit Schulden beschäftigst, bekommst nämlich den geistigen Radius einer Wurstsemmel.

Heute tut es mir nur leid darum, dass ich so lange dafür gebraucht habe. Das ganze Adrenalin das du verschwitzt, weil du dich die ganze Zeit fürchtest, das sind Jahre verlorener Energie. Ich hab eigentlich einen sehr guten Schlaf. Aber bis heute hebt es mich aus dem Bett, wenn ich um sechs Uhr in der Früh laute Geräusche im Haus höre. Das braucht seine Zeit, bis man das wieder los wird, aber jetzt seh ich Licht am Ende des Tunnels.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Angebot einer guten Freundin

Kap. 2: Mit wehenden Fahnen gekündigt

Kap. 3: Der Griff in die Kassa

Kap. 4: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

Kap. 5: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Kap. 6: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

Kap. 7: Wieder gehen gelernt

Online seit: 29.07.2003

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