Leben mit der Krise
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Das Angebot einer guten Freundin

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Helene geht zu einem Bewerbungsgespräch nach dem anderen und muss schließlich die Branche wechseln. Noch am Höhepunkt der Krise wird sie schwanger.

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familie und Beruf | Teamgründung

Dann war das Geschäft flöten, ich hab Arbeit gesucht, dazwischen sind die Exekutor ein und ausgegangen. Ich tät heute niemandem raten auf die Idee zu kommen, eine Boutique zu eröffnen, ausser er will sich selbst ruinieren. Und dann ist ja das Problem, du kriegst in der Branche ja keinen Job, in dem du ein anständiges Geld verdienst. Da verdienst du nicht mehr als die monatliche Kreditrate.

Ich hab alles versucht, um zu Geld zu kommen. Und das war dann frustrierend, weil dann nimmt dich ja niemand. Du kriegst auch nicht in den Kopf rein, dass du irgendwas falsch gemacht hast. Andererseits es muss ja so sein, sonst hättest ja Erfolg gehabt. Und dann verstehst du nicht, dass dich niemand nehmen will, wo du doch das große know-how einbringst. Irgendwann dämmert dir das, so nach der 20. Firma. Dann war ich soweit, dass ich mich schon irgendwo als Lagerleiterin beworben habe, obwohl ich überhaupt keine Ahnung davon hatte. Dann gehst dich branchenfremd vorstellen, sinnlos.

Die große Gefahr ist dann auf die Dinge hereinzufallen, die in den Zeitungen stehen, so mit "freiberuflich, selbständig", angefangen bei Kosmetik bis ich weiss nicht was alles. Da gehst zu den Informationsabenden und dann sollst bei deinen letzten Freunden, die du noch hast, Produkte verkaufen. Schließlich bin ich bei einer Versicherung im Außendienst gelandet.

Ich bin dann schwanger geworden, meine Tochter wurde 95 geboren und die Kreditraten waren höher wie mein Karenzgeld. Es war hinten und vorne überhaupt kein Geld da, ein großes und ein kleines Kind zu versorgen, also das wünsche ich dann niemandem. Ohne meine Mutter wär es überhaupt nicht gegangen, mindestens zwei Jahre ist sie einmal im Monat mit mir zu einem Großeinkauf gegangen, sonst wär der Kühlschrank leer gewesen. Also nachdem das Geschäft schon vorbei war, ging es noch so fünf Jahre.

Das war ein dahinvegetieren ein finanzielles wo also sämtliche Gläubiger über uns hergefallen sind, aber auch aus Blödheit. Nicht die Handlung setzen. Nach der Karenz bin ich wieder in den Aussendienst, das war dann so richtig Türklinken putzen, da lernst wirklich was. Die familiären Probleme sind natürlich nicht weniger geworden, wir haben nur mehr gestritten, egal wo wir waren und auch die Gewalt in der Familie ist immer schlimmer geworden. Eines Tages hab ich gewusst, dass mein Leben so nicht weiter gehen kann und hab mich von meinem Mann scheiden lassen, das war 2000.

Ich hab mich dann beraten lassen, hab alles aufgeschrieben, was mir wichtig war und hab das gemacht, was ich beim Geschäft nicht konnte: dass ich konkret ein Konzept habe und das auch mache. Finanziell bin ich denkbar schlecht ausgestiegen, ich hab alles übernommen, wo mein Name drauf stand. Letztlich bin ich wieder im Versicherungsbereich gelandet. Ich hätt schon gerne was anderes gemacht, aber die Auswahl ist für mich nicht mehr groß und wir können davon leben. Ich hab eine Verantwortung für die Kinder, also nehm ich das jetzt als Mittel zum Zweck und jetzt bin ich wenigstens wieder angestellt. Vielleicht kann ich einmal wechseln oder vielleicht mach ich noch einmal eine Ausbildung. Aber jetzt bau ich das Fundament.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Angebot einer guten Freundin

Kap. 2: Mit wehenden Fahnen gekündigt

Kap. 3: Der Griff in die Kassa

Kap. 4: Die Unternehmenskrise wird zur Familienkrise

Kap. 5: Mit voller Wäsche rein in die Schulden.

Kap. 6: Arbeitssuche, Schwangerschaft und Scheidung

Kap. 7: Wieder gehen gelernt

Online seit: 29.07.2003

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