Leben mit der Krise
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In den Konkurs expandiert

>> Die Existenzbasis: wo wohnen, wo arbeiten?

Nach der Scheidung droht die Obdachlosigkeit, für den Privatkonkurs muss Stephan ein regelmäßiges Einkommen nachweisen.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Geschäftsführer GmbH | Krida | Privatkonkurs | Teamgründung

Ich hatte völlig die Kontrolle verloren, ich wusste nicht mehr, wie mir geschieht. Zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich an Selbstmord. Ich dachte, es ist alles vorbei. Kein Einkommen, das Konkursverfahren war voll im Laufen, nach der Scheidung stand ich am Rande der Obdachlosigkeit. Mein Antrag auf Arbeitslosengeld wurde abgelehnt, weil ich noch als erwerbstätig eingestuft wurde und daher bekam ich auch keine Wohnung von der Gemeinde. Ein letzter guter Freund war mir geblieben.

Mit seiner Hilfe hatte ich das Wohnungsproblem über Umwege gelöst. Er hatte mich in Miete genommen, natürlich habe ich keine Miete bezahlt und daraufhin hat er mich delogiert. Mit dieser Delogierung konnte ich nun zur Gemeinde gehen und bekam tatsächlich eine kleine Wohnung mit 21 Quadratmeter, in der wohne ich bis heute.

Mein erster Anlauf beim Privatkonkurs ging nicht durch. Damals musste man noch Einkommen nachweisen und das konnte ich noch nicht. Also brauchte ich dringend einen Job. Es war klar, dass ich im Elektrohandel keine Chance hatte, mein Fall war viel zu bekannt und der Vertrauensverlust zu groß. Also versuchte ich es wieder im Autohandel und schickte Blindbewerbungen los. Ich bekam relativ rasch meine erste Chance, das Bewerbungsgespräch lief gut und dann musste ich den Personalbogen ausfüllen. Da gab es die Frage, ob Exekutionen zu erwarten sind. Ich wollte nicht lügen, aber traute mich auch nicht, die volle Wahrheit hinzuschreiben, also schrieb ich aus heutiger Sicht nicht.

Ich bekam den Job und damit war ich beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger gemeldet und die Gläubiger erfuhren, dass ich wieder ein Einkommen hatte. Es dauerte also nicht lange, bis bei meinem Chef der erste eingeschriebene Brief einlangte. Als dieser Tag kam schaffte ich es noch, mit ihm ein Gespräch unter vier Augen zu vereinbaren, bevor er den Brief öffnen konnte. Ich sagte ihm, wie die Sache stand und dass ich dabei war, die Schulden zu regulieren. Darauf meinte er, ihm ist das nur recht. Ich werde sicher zuverlässig zur Arbeit kommen und gut verkaufen, schließlich brauche ich das Geld dringend. Das hätte sicher auch anders ausgehen können, da hatte ich Glück. Seit sieben Jahren bin ich jetzt bei der Firma, die Kollegen wissen alle um meine Vergangenheit.

Nun brachte ich auch den Privatkonkurs durch. Die Bank war Hauptgläubiger, ich kam in das Abschöpfungsverfahren. Ein Zahlungsplan wäre natürlich besser gewesen, aber ich kann auch mit der Abschöpfung leben. Die Leute glauben ja immer, dass das Existenzminimum eine fixe Summe ist, aber das ist in einem gewissen Rahmen ja auch variabel. Also wenn ich mehr verdiene, bleibt mir auch ein bisschen mehr. Inzwischen bin ich im letzten Jahr, die 10%ige Quote habe ich bereits erfüllt.

Weiterlesen:

Kap. 1: In den Konkurs expandiert

Kap. 2: Umsatz und Schulden erreichen ungeahnte Höhen

Kap. 3: Anwälte und Richter sind am Wort

Kap. 4: Konflikte an allen Ecken

Kap. 5: Konkursantrag abgewiesen, Kridaverfahren eröffnet

Kap. 6: Die Existenzbasis: wo wohnen, wo arbeiten?

Kap. 7: Wieder die Freiheit, zu wählen

Online seit: 21.02.2005

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