Leben mit der Krise
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In den Konkurs expandiert

>> Wieder die Freiheit, zu wählen

Das Ende des Privatkonkurses ist in Sicht und inzwischen hat Stephan eine Ausbildung als Lebens- und Sozialberater begonnen.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Geschäftsführer GmbH | Krida | Privatkonkurs | Teamgründung

Man lernt durch solche Ereignisse, dass Geld nicht das Wichtigste ist. Ich musste mein Fixkosten natürlich so gering wie möglich halten. Ich habe es trotzdem geschafft, eine Ausbildung zu starten, und zwar zum Lebens- und Sozialberater am WIFI. Das ist für mich auch eine Möglichkeit, das Geschehene aufzuarbeiten, deshalb habe ich mich auch zu diesem Interview entschlossen. Die Gefühlsebene schwingt schon noch immer mit. Heute geht es mir viel besser, aber ich weiss noch ganz genau, wie es mir damals gegangen ist und eine solche Zeit möchte ich nicht mehr erleben. Das Selbstwertgefühl ist da völlig auf Null gedrückt.

Mein Privatkonkurs geht dem Ende zu, trotzdem holt es einen immer wieder ein. Ich hatte damals alle möglichen Banken abgeklappert, niemand wollte mir mehr ein Konto geben, auch ohne Überziehungsrahmen. Nur durch einen persönlichen Kontakt hat das letztendlich geklappt. Manchmal ist es mit dem Geld schon sehr knapp, da spüre ich wieder, wie die Existenzängste hochkommen. Inzwischen habe ich den dritten Geschäftsführer, jedesmal muss ich wieder erklären wie meine Situation ist. Das ist schon mühsam, aber auch da gibt mir die Ausbildung Halt.

Ein Jahr muss ich noch durchziehen, aber langsam bekomme ich wieder das Gefühl, eine Wahlfreiheit zu haben. Mit Lebens- und Sozialberatung werde ich nie genug verdienen können, das wird wahrscheinlich ein zweites Standbein werden, Krisenintervention wäre sicher mein Thema. Vielleicht schließe ich noch eine Trainerausbildung an, und auch meine Firma ist groß genug, dass es hier noch Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Ich bin jetzt 41 Jahre alt, da ist noch vieles möglich.

Manchmal habe ich Jungunternehmer als Kunden. Wenn Sie dann einen schicken Wagen ausgesucht haben und einen Leasingvertrag unterschreiben wollen, dann sag ich schon Ist Ihnen klar, worauf Sie sich damit einlassen. Können Sie die monatlichen Raten dann wirklich aufbringen? Da hab ich einfach meine eigenen Erfahrungen im Kopf. Ich denke überhaupt, gründen sollte man nie aus einer Notlage heraus. Wenn da nicht genug Eigenkapital da ist, um einige Zeit daraus leben zu können und dann noch eine Reserve für den Fall des Falles zu haben, dann würde ich die Finger davon lassen. Wenn jemand selbständig wird, weil er schon dringend Geld braucht, ich glaube nicht, dass das gutgehen kann.

Der richtige Einstieg und der rechtzeitige Ausstieg, wenn es nicht mehr geht, das ist das Um und Auf. Bei mir hat beides nicht geklappt. Ich wollte nicht sehen, dass wir für die Art von Unternehmen, wie ich es wollte, viel zu wenig Eigenkapital hatten. Das war der erste Kardinalfehler. Und dann wollte ich nicht sehen, dass ich Schluss machen muss. Das war der zweite Kardinalfehler, der mir sogar eine Vorstrafe eingebracht hat.

Weiterlesen:

Kap. 1: In den Konkurs expandiert

Kap. 2: Umsatz und Schulden erreichen ungeahnte Höhen

Kap. 3: Anwälte und Richter sind am Wort

Kap. 4: Konflikte an allen Ecken

Kap. 5: Konkursantrag abgewiesen, Kridaverfahren eröffnet

Kap. 6: Die Existenzbasis: wo wohnen, wo arbeiten?

Kap. 7: Wieder die Freiheit, zu wählen

Online seit: 21.02.2005

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