Leben mit der Krise
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Das Traumlokal wird zum Alptraum

>> Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Der volle Einsatz macht sich bezahlt, das Lokal läuft sofort gut an. Mit dem Umsatz wachsen aber auch die Kosten.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Betriebsübernahme | Branchen: Gastronomie | Burn out | Erfahrungsberichte | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Im Herbst ist es dann losgegangen und wir waren wirklich von Anfang an gut besucht. Mein Motto war, jeder der sich ordentlich benimmt und seine Rechnung bezahlt, wird von mir gleich behandelt. Das war nicht jedem Recht. In dem Lokal waren auch in der Vergangenheit öfter Promis, besonders Schisportler, und damit war es auch öfter in den Medien. Und da gab es schon Leute, die meinten, sie müssten bevorzugt behandelt werden, aber wenn das Lokal voll war, dann musste der mit dem Ferrari genauso lange warten wie jeder andere auch. Und das hat mich rasch genervt, weil da kamen bald jede Menge guter Ratschläge, wie ich mit den Leuten umgehen sollte. Da gab es Leute, die haben mich mitten in der Nacht angerufen! Ich wollte einfach, dass die Gäste wegen der Freundlichkeit und des guten Preis- Leistungs- Verhältnisses kamen.

Und in so einer kleineren Stadt, da wird natürlich immer über dich geredet und getratscht. Von vorne tun sie einem alle schön, aber hintenherum wissen es alle besser. Und es gibt Leute, wenn die ein falsches Wort über dich in Umlauf bringen, dann hast keine Chance. Also heute sag ich, es gibt Leute, mit denen hab ich abgeschlosssen, aber damals war ich von ihnen abhängig. Ich hab das gemerkt, ich war damals ein Sklave meiner selbst und der Gesellschaft.

Montag bis Samstag hatte ich von 6 Uhr früh bis spät in die Nacht offen, das Kaffeegeschäft am Morgen hab ich ganz alleine gemacht. Eigentlich war es von der Kalkulation her darauf ausgerichtet, dass ich es überhaupt allein schaffe, aber ich brauchte noch Personal. Wenn das Lokal voll war, das war für eine Person unmöglich zu schaffen. Als Bäcker hab ich gebuckelt, aber für mich waren diese ersten Monate anstrengender als jede andere Bäckersaison, die ich davor erlebt hatte. Selbst im Schlaf hab ich noch Spinatknödeln gekocht und ich hatte keine Ahnung mehr, welches Wetter draußen war.

In den ersten Monaten konnte ich auch die Umsätze erwirtschaften, die ich brauchte, das war im Herbst und Winter. Das Lokal war oft gerammelt voll. Aber wie gesagt, um diese Umsätze hereinzubringen, brauchte ich schon mehr Personal als geplant. Und laufend waren weitere Investitionen und Anschaffungen notwendig, um diese Menge an Essen und Getränken umsetzen zu können. Da muss alles reibungslos funktionieren und ein altersschwacher Geschirrspüler zum Beispiel, das geht da einfach nicht. So hat sich die Katze immer mehr in den Schwanz gebissen. Ich brauchte die Umsätze für die hohen laufenden Kosten und damit ich sie schaffte, musste ich laufend wieder Geld hineinstecken.

Mit der Bank hatte ich immer Kontakt gehalten, der Bankdirektor, der übrigens auch regelmäßig Gast im Lokal war, genehmigte ja auch jede der weiteren Investitionen. Dann kamen die ersten schöneren Tage, die Leute wollten raus ins Freie und das hat sofort auf die Umsätze gedrückt. Ich war psychisch und physisch schon ziemlich ausgebrannt und finanziell wurde es schnell enger.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Traumlokal wird zum Alptraum

Kap. 2: Es ist alles zu glatt gegangen

Kap. 3: Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Kap. 4: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Kap. 5: Der Kampf um den Zahlungsplan

Kap. 6: Den Frust und die Schulden abgebaut

Kap. 7: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Online seit: 04.11.2004

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