Leben mit der Krise
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Das Traumlokal wird zum Alptraum

>> Der Kampf um den Zahlungsplan

Ein Zahlungsplan wird vorbereitet, aber die Bank will nicht zustimmen und die Lokaleigentümerin will den Rest der Miete einklagen.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Betriebsübernahme | Branchen: Gastronomie | Burn out | Erfahrungsberichte | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Das Schuldenregulierungsverfahren wurde zwei Monate später eröffnet, insgesamt hatte ich 1,8 Mio. Schilling Schulden. Davon waren 1,2 Mio. bei der Bank, es war ja alles fremdfinanziert. Wir wollten einen Zahlungsplan erreichen, dem wollte die Bank nicht zustimmen. Ich wollte keinesfalls in ein Abschöpfungsverfahren, ich glaube, da hätte ich jede Motivation verloren, das war für mich eine fürchterliche Vorstellung. Die Bank hat aber gemeint, der Bäckermeister ist noch jung, er soll in ein Abschöpfungsverfahren, der kann weiterhin verdienen. Ich muss sagen, mein Anwalt hat da sehr viel Verhandlungsgeschick bewiesen, ohne ihn hätte ich das nie durchbekommen.

Die Bank hat ein paar kleinere Extra-Zahlungen bekommen und dann noch einmal einen größeren Betrag und damit haben sie dem Zahlungsplan mit einer 15%-Quote zugestimmt. Damit wir der Bank dieses Zuckerl anbieten konnten, hat mir meine Familie das Geld dafür zur Verfügung gestellt. Gott sei Dank hatte ich damals auch Menschen, die zu mir standen. Meine Freundin, mit der ich mittlerweile ein Kind habe, ist mir von Anfang an beigestanden.

Bis das alles abgeschlossen war, das ist natürlich nicht alles so locker vor sich gegangen. Da war erstens die Angst, dass der Zahlungsplan von der Bank endgültig abgelehnt wird. Dann hat es mit der Eigentümerin des Lokals noch Probleme gegeben. Der Vertrag war ja eigentlich auf fünf Jahre und sie wollte die Miete für die restliche Laufzeit einklagen, also mehr als vier Jahre. Das hätte die Schulden noch einmal gewaltig in die Höhe getrieben und ich hätte wahrscheinlich keinen Zahlungsplan durchgebracht. Mein Anwalt konnte das dann abbiegen. Sie hatte ja nie Bilanzen vorgelegt und mein Anwalt sagte ihr, dass wir dann eine Offenlegung ihrer Bilanzen verlangen würden. Sie hat die hohe Miete ja damit argumentiert, dass sie so hohe Umsätze gehabt hätte und wir haben anhand von Stromrechnungen einmal nachgerechnet, dass ihre Umsätze wahrscheinlich viel niedriger waren als meine. Das wollte sie dann anscheinend doch nicht und hat einen Rückzieher gemacht. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie sich die Kaution, die ja auch über die Bank besichert war, schon geholt hatte. Möglicherweise hätte auch die Bank empfindlich reagiert, wenn sich herausgestellt hätte, dass die Miete aufgrund falscher Angaben zustande gekommen ist.

Dann hatte ich bei Unternehmensstart ein Leasingauto genommen. Das Auto hatte einen Neupreis von 320.000 Schilling und als ich es nach den zehn Monaten wieder zurückgegeben habe, wurde es von einem Gutachter auf 180.000 Schilling geschätzt. Sie wollten den fehlenden Differenzbetrag von mir oder ich finde jemanden, der in den Leasingvertrag einsteigt. Das hatte ich nicht, aber ich hatte einen Käufer gefunden, der es um 220.000 Schilling gekauft hätte. Das wurde aber abgelehnt, da war plötzlich der Verkaufswert doch höher. Der Autohändler war übrigens ein alter Bekannter von mir. Da hab ich einige Dämpfer bekommen, also da spürt man schon die Enttäuschung. Heute weiss ich, dass man Freunde und Kollegen an einer Hand abzählen kann.

Und dann ist man vor Gericht, das ist schon sehr bedrückend. Ich war in meinem ganzen Leben zweimal vor Gericht. Das erste Mal bei der Scheidung und dann beim Konkursverfahren. Und da war auch der Bankdirektor, auf einmal war es, als ob er mich nicht kennen würde. Der Bankdirektor fragte tatsächlich den Richter, ob er sich über meinen Leumund erkundigt hat, und da hab ich mir schon gedacht, soweit ist es gekommen. Da bist nur mehr ein Fall, den die Bank abzuhandeln versucht. Und bei den verschiedenen Terminen, es wurde sehr viel über mich in der 3. Person gesprochen, neben mir, als ob ich nicht da wäre. Man fragt sich dann schon manchmal, ob man ein schlechter Mensch ist.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Traumlokal wird zum Alptraum

Kap. 2: Es ist alles zu glatt gegangen

Kap. 3: Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Kap. 4: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Kap. 5: Der Kampf um den Zahlungsplan

Kap. 6: Den Frust und die Schulden abgebaut

Kap. 7: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Online seit: 04.11.2004

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