Leben mit der Krise
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Das Traumlokal wird zum Alptraum

>> Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Nach dem Winterhoch bringt der warme Frühling die Umsätze zum Schmelzen, gleichzeitig wird die Beziehung zur Bank eisig.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Betriebsübernahme | Branchen: Gastronomie | Burn out | Erfahrungsberichte | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Ich hab dann schon versucht, beim Personal einzusparen. Aber das hat das eigentliche Problem nicht gelöst. Damit die ganze Kalkulation funktioniert, wären diese Umsätze wie im Herbst und Winter übers ganze Jahr notwendig gewesen. Da hätte es keine schönen Tage und kein Sommerloch geben dürfen. Und selbst dann hätt es nicht funktioniert, denn ich war nach diesen wenigen Monaten schon völlig ausgepumpt. Mir ist klar geworden, dass ich nicht zwölf Monate im Jahr, sieben Tage in der Woche mit einem solchen Hochdruck arbeiten kann. Der Sonntag war zwar Ruhetag, aber da gab es jede Menge anderer Arbeiten zu erledigen.

Die laufenden Kosten waren einfach zu hoch. Mir war klar, dass es mit dieser Miete einfach nicht zu schaffen war. Mein Steuerberater hat mit mir durchgerechnet, dass es wahrscheinlich günstiger wäre, wenn ich das Lokal kaufen würde. Aber die Eigentümerin hatte wieder horrende Preisvorstellungen und so ist das auch flach gefallen. Ich hab ihr gesagt, wenn sie nicht mit der Miete runtergeht, dann muss ich zusperren. Mit Tränen in den Augen hat sie gemeint, sie muss ja auch leben. Das war einfach ein Kasperltheater.

Es hat nicht lange gedauert, da hat der Bankdirektor gemeint, so geht es nicht weiter. Ich hab dann alles versucht, noch zu Geld zu kommen, noch einmal versucht, mit den Banken zu sprechen, die mir damals alle offene Türen versprochen hatten. Davon wollten sie jetzt nichts mehr wissen. Einige Verwandte wären bereit gewesen, Geld hineinzustecken, aber ein Freund hat mich davor gewarnt. Er arbeitet selbst in einer Bank und er hat gemeint, damit stopfe ich nur für einige Zeit Löcher, das Problem bleibt das Gleiche und ich rutsche nur tiefer und tiefer hinein. Er hat mir damals gesagt, im Gastgewerbe kommt nichts Besseres nach und er hat mir zum Konkurs geraten. Ich muss sagen, er hatte Recht. In den letzten sechs Jahren waren drei weitere Pächter auf dem Lokal und jetzt steht es schon wieder leer.

Die Mahnungen und Zahlungserinnerungen haben sich in der Zwischenzeit gestapelt. Besonders bei den kleinen Lieferanten aus dem Ort hab ich noch versucht zu bezahlen was möglich war, aber mehr ging nicht mehr. Mit den Nerven war ich schon ziemlich fertig, aber ich hab mir immer gesagt, jetzt nur nichts überhudeln und hab versucht, mich unter Kontrolle zu halten. Im Mai war dann der totale Umsatzeinbruch, die Stadt war wie ausgestorben und ich hab den ganzen Tag eine Handvoll Gäste gehabt. Ab da hab ich die Rechnungen nur mehr in die Schublade gelegt, ich konnte einfach nichts mehr bezahlen.

Ich hab dann mit einem Rechtsanwalt gesprochen, den ich vom Fußball spielen her kannte. Er war damit einverstanden, dass ich ihn in Raten bezahle und er begann, sich um das Ganze zu kümmern und hat mit den Gläubigern Kontakt aufgenommen. Er hat auch versucht, mit der Eigentümerin zu verhandeln, die ist gleich mit ihrem Rechtsanwalt gekommen. Er versuchte auch, zu der Bank einen Draht zu bekommen um hier zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Der Bankdirektor hatte aber in der Zwischenzeit schon den Wechsel fällig gestellt.

Es war klar, dass hier nichts mehr weitergeht und es war auch der Moment, wo mir klar wurde, dass ich mich jetzt um mich selbst kümmern musste. Ich wollte auf keinen Fall die Gewerbeberechtigung verlieren, habe also sofort das Gewerbe zurückgelegt, damit ist alles privat schlagend geworden. Und dann ist alles sehr schnell gegangen, innerhalb von ein paar Tagen hab ich das Lokal ausgeräumt. Das war Ende Juni, zehn Monate, nachdem ich aufgesperrt hatte. Ich wollte mich noch von einer Schuldnerberatungsstelle beraten lassen, aber die Wartezeiten waren ziemlich lang und das Risiko wollte ich nicht eingehen. Also hab ich mich wieder mit dem Anwalt arrangiert, damit er mit mir das Schuldenregulierungsverfahren vorbereitet.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Traumlokal wird zum Alptraum

Kap. 2: Es ist alles zu glatt gegangen

Kap. 3: Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Kap. 4: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Kap. 5: Der Kampf um den Zahlungsplan

Kap. 6: Den Frust und die Schulden abgebaut

Kap. 7: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Online seit: 04.11.2004

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