Leben mit der Krise
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Das Traumlokal wird zum Alptraum

>> Den Frust und die Schulden abgebaut

Mit der Annahme des Zahlungsplans ist die Basis für einen Neubeginn geschafft. Nach einem Jahr beginnt Robert in jener Firma zu arbeiten, in der er heute noch beschäftigt ist.

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Betriebsübernahme | Branchen: Gastronomie | Burn out | Erfahrungsberichte | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Mir sind also 300.000 Schilling an Schulden geblieben. Ich hatte mich in der Zwischenzeit arbeitslos gemeldet, zum ersten Mal in meinem Leben. Daneben hatte ich geringfügige Jobs und damit bin ich in Summe zuerst einmal über die Runden gekommen und konnte auch meine Verpflichtungen erfüllen.

Ich hatte schon vor der Selbständigkeit sehr viel gearbeitet und die letzten zehn Monate hatten an der Substanz gezehrt. Ich hab die ganze Zeit drauf geschaut, dass ich mich unter Kontrolle hab und dass ich Ruhe bewahre. Es kann sich keiner vorstellen, der nicht so tief unten war, du bist da wirklich existenzbedroht, das ist nicht mehr weit weg. Wenn du schauen musst, wo kommt das Geld her, rundherum klopfen sie an und fragen, wann krieg ich das Geld? Dann die Exekutionen, das ist schon eine psychische Belastung. Als der Zahlungsplan angenommen war, da wusste ich, jetzt kann mir keiner mehr was tun. Dieses Gefühl der Bedrohung war nicht mehr da und ich spürte einfach, dass ich das Richtige getan hatte. Ich wusste, jetzt kann es nur mehr aufwärts gehen, jetzt hatte ich wieder eine Perspektive.

Mit dem Privatkonkurs hab ich am Anfang schon noch massiv im Hinterkopf zu kämpfen gehabt. Wenn ich mir heute die Briefe anschau, die von Rechtsanwalt zu Rechtsanwalt geschrieben wurden über mich, da hatte ich schon das Gefühl, ich bin der letzte Scheissdreck. Also ich denke, wenn da einer ein bisschen ein labiler Charakter ist, da können wilde Sachen passieren. Und ich muss auch sagen, da hab ich mich schon unter Kontrolle haben müssen, ich hatte auch einen ziemlichen Hass aufgebaut. Mittlerweile muss ich sagen, geht es, obwohl, man hat dann schon wieder Phasen, Schuldgefühle. So schnell kann man das nicht ad acta legen, etwas Trauerarbeit braucht man. Aber heute kann ich an dem Lokal vorbeigehen, ohne dass es mir weh tut. Heute kann ich drüber reden, obwohl, mich spricht keiner drauf an. Manchmal frag ich mich, ob es die Leute wirklich nicht wissen oder ob sie sich nicht trauen, es anzusprechen.

Ich hatte mich einfach überschätzt und war ausgebrannt. Ich wurde dann krank, ich glaube, da ist dann alles rausgekommen. Ich hab einige Zeit gebraucht, mich wieder zu erholen, hab aber schon laufend Bewerbungen geschrieben. Am Anfang sind nur Absagen gekommen. Ein gutes Jahr nachdem ich das Lokal zugesperrt hatte, habe ich einen Job bei der Firma gefunden, bei der ich heute noch arbeite. Da hat von Anfang an alles gepasst und über die Jahre hab ich mich da weiterentwickeln können. Mittlerweile bin ich in der Hierarchie und im Gehaltsschema ein paar Stufen gestiegen und von den Schulden sind noch ein paar Tausend Euro übrig.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Traumlokal wird zum Alptraum

Kap. 2: Es ist alles zu glatt gegangen

Kap. 3: Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Kap. 4: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Kap. 5: Der Kampf um den Zahlungsplan

Kap. 6: Den Frust und die Schulden abgebaut

Kap. 7: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Online seit: 04.11.2004

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