Leben mit der Krise
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Das Traumlokal wird zum Alptraum

>> Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Robert war bei der Gründung der Überzeugung, alle Hürden mit seinem Engagement und seiner Leistungsfähigkeit überwinden zu können. Selbstausbeutung als Erfolgsrezept?

Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Betriebsübernahme | Branchen: Gastronomie | Burn out | Erfahrungsberichte | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Damals, als die Bank den Hahn zugedreht hat, war es nicht mehr so schlimm für mich. Ich war schon ausgebrannt und mir war auch klar geworden, dass es ohnehin nie so zu führen gewesen wäre, dass ein menschenwürdiges Leben dabei möglich gewesen wäre. Aber beim Start war ich überzeugt, dass ich mit meiner Leistungsfähigkeit alle Widrigkeiten ausgleichen kann. Früher hätte ich gesagt, man muss sich nur genug um die Gäste bemühen, dann kommen sie auch, egal welches Wetter ist. Früher hätte ich gesagt, dann lasse ich halt noch zwei Stunden länger offen, um die nötigen Umsätze zu machen. Heute weiss ich, dass man mit seiner Gesundheit so nicht umgehen darf. Nach dieser Katastrophe bin ich nur mehr im Bett gelegen, ich hab einfach nicht mehr gekonnt. Ich habe auch gelernt, dass ich nicht mehr in der Gastronomie arbeiten will. Ich brauche einen regelmäßigen Arbeitsrhythmus und ich will auch meine regelmäßigen Erholungsphasen haben. Ich würde mir das heute nicht mehr antun.

Im Grunde ist alles auf meinem Mist gewachsen, ich war einfach fixiert von dieser Idee. Der Unternehmensberater hatte mich ja gewarnt, dass die Kosten sehr hoch sind, ich wollte es nicht hören. Und als die Eigentümerin ihre Bilanzen nicht hergezeigt hat, da hätte ich ja schon sagen müssen, so nett es wäre, aber dann lassen wir es. Aber ich war so fixiert auf das Lokal, es hat mir so gefallen und ich wollte es schaffen.

Mit den damaligen Ereignissen hab ich so ein bisschen das Grundvertrauen in die Welt verloren. Da gibt es Szenen, die haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Dem Bankdirektor hatte ich einfach vertraut. Ich bin ja immer zu ihm rübergegangen und er hat das alles immer wieder genehmigt, jedes Budget und jede Investition. Heute würde ich jedem Gründer oder Unternehmer raten, sich nicht zu sehr von anderen abhängig zu machen, von Banken oder Geschäftspartnern. Die drehen dir das Gas ab und dann will keiner mehr was von dir wissen. Schau, dass dein Erfolg nicht mehr als zu 50% von anderen abhängt, oder besser: schau, dass dein Erfolg zu 90% von dir abhängt, die restlichen 10% kann man gut sein lassen.

Unternehmer müssen immer ein Risiko eingehen, so ein bisschen braucht man schon dieses irgendwie wird es schon gehn, sonst müsste man es gleich bleiben lassen. Aber heute sag ich, da brauch ich Kapital im Hintergrund, ich muss auch einmal schlechte Zeiten überleben können. Wenn ich mir heute anschau, wie da die Zinsen geprasselt sind, spätestens da merkt man, da muss man etwas tun, weil sonst ist es vorbei. Heute weiss ich, ich hätte mich selber am Krawattl nehmen müssen und sagen, ok, hau die Bremse rein! Aber wer ist schon so vernünftig?

Mein Verhältnis zu Geld und zu Banken hat sich natürlich massiv verändert. Wenn man im Privatkonkurs ist, bekommt man ohnehin nur ein Konto ohne Überziehungsrahmen, ich bin immer im Plus. Ich reagier schon allergisch, wenn sie mir eine Bankomatkarte geben wollen und ich bücke mich heute um jedes Zehnerl. Wann immer es möglich ist, handle ich Prozente heraus, dafür bezahle ich auch immer bar. Und wenn es ein Skonto gibt, dann nutze ich das. Auf solche Dinge hab ich früher kaum geachtet, aber das ist alles mein Geld. Ich habe zum Beispiel kein Auto, aber Dinge, die mir wichtig sind, kann ich mir leisten. Für die Wohnung zum Beispiel oder auch Urlaube. Und ich weiss, dass ich den richtigen Weg gegangen bin, obwohl, schiach war es mir damals schon, als wir den Privatkonkurs angemeldet haben.

Weiterlesen:

Kap. 1: Das Traumlokal wird zum Alptraum

Kap. 2: Es ist alles zu glatt gegangen

Kap. 3: Der Start: ein gut besuchtes Lokal

Kap. 4: Hohe Fixkosten, sinkende Umsätze, ein rasches Ende

Kap. 5: Der Kampf um den Zahlungsplan

Kap. 6: Den Frust und die Schulden abgebaut

Kap. 7: Die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit

Online seit: 04.11.2004

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