Leben mit der Krise
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Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen...

>> Eine Expansion als Rettungsanker

Mehr Kunden und Aufträge braucht das Geschäft. Anstatt neuer Kunden brachte die Expansion jede Menge Probleme.

Stichworte: Betriebsübergabe | Betriebsübernahme | Erfahrungsberichte | Geschäftsführer GmbH | Konkursantrag | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Dann gab es auch Fehler. Bei den Versuchen die Firma wieder zu aktivieren hab ich mich verrannt. Ich hab den Lüftungsbereich, der ursprünglich zum Betrieb gehört hatte, mit dazu übernommen. Ich wollte damit Synergieeffekte nutzen, den Kundenstock damit ausbauen. Aber das war der verkehrte Gedanke. Es wäre nicht nötig gewesen, ich hätte einfach meinen Kundenstock, den ich hatte, auch so ausbauen und stärken können. Und ich hätte mir viele Probleme erspart.

Da hingen einige Altlasten dran. Zum Beispiel habe ich zwei ältere Mitarbeiter mit ziemlich hohen Abfertigungsansprüchen übernommen. Ich hatte mir damals keine Gedanken darüber gemacht was das heisst. Und dann zeigte sich auch, dass Aufträge nicht ordentlich abgeschlossen waren und das ist alles auf mich zurückgefallen. Ich war dauernd mit diesem Bereich beschäftigt. Das hat mich so in Anspruch genommen, dass ich mich um den Heizungsteil viel zu wenig kümmern konnte. Also da hab ich mich in etwas hineinmanövriert. Und damit ist der Auftrieb wieder nicht gekommen.

Ich hätte mich beraten lassen sollen. Den Vorwurf hab ich dann auch schlucken müssen. Mein Steuerberater hat mich gefragt: "Ja hast du dich denn da nicht eingehender erkundigt?" Und recht hat er gehabt. Aber ich wollte das alles aus eigener Kraft heraus schaffen und hab viel zu wenig auf andere gehört. Das war der Fehler, der mir immer wieder passiert ist, den auch viele machen. Ich hab ja diese Warnungen schon gehört gehabt. Es gab ja in meinem Bekanntenkreis Konkursfälle und ich hab mir gedacht, nein, das passiert mir nicht. Und dann mach ich den gleichen Fehler selber. Den Verkäufer hab ich ja gekannt und ich hab ihm vertraut. Das war leider eine Bauchgeschichte. Wenn ich es mir heute überlege, hat er mich über den Tisch gezogen. Er hat die Erfahrungen gehabt und hat es genutzt und es mir um den Hals gehängt.

Der größere Teil war einfach, dass ich in dem Bereich falsche Entscheidungen getroffen habe und mich nicht eingehend vorher informiert habe. Ich möchte nicht alles auf den Lüftungsteil abschieben, das war ein Teil mit, abgesehen von der Krankheit.

Ich hab dann noch ein Haus verkauft, das meiner Schwester und mir gehörte. Also noch einmal hineingebuttert, aber das hat alles nichts mehr geholfen. Das hätt ich nicht mehr tun dürfen. Ich hätte sagen müssen, jetzt ist Schluss, es hat keinen Sinn mehr. Mit dem Geld alleine kannst es nicht machen. Ich hatte schon zu viele Belastungen angesammelt und es ist mir nicht gelungen, die richtige Auslastung zustande zu bringen. Einmal zuwenig und dann wieder zuviel. Ich hatte auch große Aufträge angenommen, für die ich wieder Leute beschäftigen musste. Und dann passte das alles nicht zusammen, das Team war einfach noch nicht eingespielt.

Weiterlesen:

Kap. 1: Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen...

Kap. 2: Da beiss ich mich durch...

Kap. 3: Eine Expansion als Rettungsanker

Kap. 4: Die Insolvenz wird öffentlich

Kap. 5: Neue Versuche und der Privatkonkurs

Kap. 6: Heute noch nicht ganz fertig damit...

Kap. 7: Neue Wege: Die Spreu vom Weizen trennen

Online seit: 25.02.2004

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