Leben mit der Krise
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Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen...

>> Die Insolvenz wird öffentlich

Am Höhepunkt der Krise nimmt Johann Beratung in Anspruch. Es wird klar, er wird den Konkurs nicht abwenden können.

Stichworte: Betriebsübergabe | Betriebsübernahme | Erfahrungsberichte | Geschäftsführer GmbH | Konkursantrag | Privatkonkurs | Zahlungsplan

Es wurde immer enger, im Sommer 98 hatte ich 8 Mitarbeiter und ca. 7 Mio. Schilling Schulden. Und dann hab ich hab gesagt, ich brauch eine Beratung, auf die ich mich stützen konnte. Das wurde gefördert, einen Teil bezahlte das WIFI und den anderen Teil hat die Bank übernommen. Dort ist es auch schon immer knapper geworden und sie haben gesagt, sie bezahlen das wenn sie nachher ein Ergebnis haben, auf das sie sich stützen können, egal ob es positiv oder negativ ist.

Mit der Beratung ist schon klar geworden, dass das alles an der Kippe steht. Ich hab auch schon überlegt, ob ich nicht Personal teilweise wieder abbaue und so die Kosten reduziere, aber dann kann ich Aufträge nicht mehr erfüllen. Also ich hab den Abgrund schon vor mir gesehen und es war zu spät um das noch auszulenken.

Der Ehrgeiz und der Stolz haben mich noch abgehalten, sofort Konkurs anzumelden. Zugeben zu müssen, dass man sein eigenes Kind hergeben muss. Bis man sich das eingesteht, dass es einfach nicht mehr geht, da braucht man einfach seine Zeit. Im Winter hatte ich dann eine Grippe und lag wieder eine Woche im Bett. Ich hab alles noch einmal durchkalkuliert und es war klar, Schluss, es geht einfach nicht. Ich würde meine Familie noch mehr in Gefahr bringen, als sie ohnehin schon war. Und damit war die Entscheidung klar. Ich hab mit meiner Familie gesprochen und ihnen gesagt, was uns bevorsteht. Da gab es sehr viel Unterstützung.

Mit den Mitarbeitern hab ich mich zusammengesetzt und gesagt, diesen Weg muss ich gehen, es lässt sich nicht mehr anders durchführen. Sie haben hin und her überlegt und gemeint, sie würden Geld in die Firma einbringen. Also über so ein Angebot denkt man schon nach, aber ich wollte diesen Vertrauensbeweis nicht missbrauchen. Das wär sich nie ausgegangen und ich wollte nicht auch noch andere mit hinein ziehen.

Die mieseste Zeit ist, wenn man überlegt: soll ich oder soll ich nicht? Also ich hab nächtelang nicht geschlafen. Nachdem man sich innerlich einmal entschossen hat, dann fällt das ab. Nachdem das klar abgesteckt ist und man rausgeht und die wichtigsten Stellen informiert, die Familie, die Mitarbeiter, die Bank. Der Weg zum Gericht, Konkursanmeldung, dann war es im Rollen. Und ab dem Zeitpunkt war die Last zwar nicht weg, aber es war ein Status, so ist es.

Dann beginnt erst ein ganz anderer Weg. Alles aufbereiten, das Gericht bestellt einen Masseverwalter, mit dem muss man gemeinsam das alles durchgehen, dokumentieren, bewerten. Dann ist es schon in der Zeitung gestanden. Ich hab genau zwei Artikel in der Lokalzeitung gehabt, als ich eröffnet habe und als ich Konkurs angemeldet habe.

Dass es öffentlich wurde, das war mir wahnsinnig unangenehm. Dass mich ein Masseverwalter verwaltete war nicht so schlimm, auf das hatte ich mich eingestellt. Man muss sich halt für alles eine Unterschrift holen. Aber die Postsperre war für mich schlimm, weil damit war zumindest der Post klar was los ist. Außerdem wird es ja auch öffentlich bekannt gegeben. Damit kämpfe ich bis heute, ich geniere mich. Weil es halt in unserer Gesellschaft ein Manko ist wenn du so einen Weg gehst. Und es fragt ja auch keiner was passiert ist. Hier wissen alle was los ist, aber niemand spricht mich darauf an. Und selbst ein Konto ohne Überziehungsrahmen zu bekommen ist ein Problem, da hast du einen schwarzen Punkt.

Weiterlesen:

Kap. 1: Ich wollte es aus eigener Kraft schaffen...

Kap. 2: Da beiss ich mich durch...

Kap. 3: Eine Expansion als Rettungsanker

Kap. 4: Die Insolvenz wird öffentlich

Kap. 5: Neue Versuche und der Privatkonkurs

Kap. 6: Heute noch nicht ganz fertig damit...

Kap. 7: Neue Wege: Die Spreu vom Weizen trennen

Online seit: 25.02.2004

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